USA: Der Schatten alter Zeiten - Schwule und Lesben verlieren im Siegestaumel

Ja, er kann. Ja, nun muss er auch. Nicht nur die Mehrheit der amerikanischen Wähler, sondern irgendwie die ganze Welt hat Barack Obama gewählt. Unendlicher Jubel überall und geradezu übermenschliche Erwartungen an einen Mann, der sehr genau weiß, dass er seinen Triumph vielen Bevölkerungsschichten zu verdanken hat. Bei seiner Siegesrede in der Wahlnacht von Chicago nannte er sie - ausdrücklich auch die Lesben und Schwulen in den USA. Gays and Lesbians wählten Obama, dürften aber den 4. November 2008 nicht nur als Auftakt einer neuen Ära in ihrem Land empfinden, sondern auch als Tag herber Rückschläge. Kalifornien, der bevölkerungsreichste und ur-demokratische Bundesstaat (55 Wahlmänner) stimmte nicht nur für Obama, sondern auch gegen das Recht auf Eheschließung für Schwule und Lesben. In einem Volksentscheid sprach sich eine knappe Mehrheit (52 % gegen 48 %) gegen einen Verfassungszusatz aus, der homosexuelle Ehen erlaubte. Schon mehr als 10000 Paare hatten von diesem Recht Gebrauch gemacht und "Yes, I do" gesagt. Das Oberste Gericht von Kalifornien hatte erst vor wenigen Monaten den Weg für die sogenannte "Homo-Ehe" freigemacht. Im Mai 2008 kippte es das Ergebnis einer ähnlichen Volksabstimmung aus dem Jahr 2000, bei der sich damals 61 Prozent der Kalifornier gegen gleichgeschlechtliche Eheschließungen ausgesprochen hatten. Nach Massachusetts konnten Homosexuelle auch im Schwarzenegger-Staat heiraten - mit gleichen Rechten und Pflichten wie Männer und Frauen. Nun dieses Ergebnis, das bereits geschlossene Ehen zwar nicht ungültig machen soll, wie es heißt (was aber umstritten ist), das aber künftige "Marriages" zunächst verhindern dürfte. Auch wenn viele Aktivisten bereits Verfassungsklagen ankündigten und sich nicht zuletzt San Franciscos Bürgermeister deutlich für seine "queeren" Mitbürger aussprach.

Doch der 4. November war nicht nur für die Queer-Community in Kalifornien herb. Auch in Arizona und Florida waren die Gegner schwuler und lesbischer Ehen bei ähnlichen Referenden für die Verankerung von Verboten erfolgreich. Aktivisten mussten auch in Arkansas eine Niederlage einstecken: Dort dürfen unverheiratete Paare künftig keine Kinder adoptieren oder in Pflege nehmen. Das Gesetz zielte ausdrücklich auf Schwule und Lesben ab.

Das "Yes, we can", das wir also in der Wahlnacht hörten, markierte einen Aufbruch, eine Bewegung, ist aber noch lange nicht der Wechsel ("Change") zu einer Gesellschaft ganz ohne Vorurteile und mit echter Gleichstellung in den USA. Es gibt wirklich viel zu tun für Barack Obama.

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AIDS-Gala Berlin: Brief an den Moderator

Die Rote Schleife


Lieber Yared Dibaba,

nun sind Sie schon wieder Moderator der Gala zugunsten der Berliner AIDS-Hilfe gewesen. Sie hatten mit Sicherheit seit einiger Zeit gewußt, was an diesem 4. November 2008 im Musical-Theater am Potsdamer Platz auf Sie zukommen sollte. Eine gepflegte Veranstaltung mit Künstlern aller Couleur, unterhaltsamer Comedy mit dem "Humor-Arzt" Eckhard von Hirschhausen, der mit seinem Internet-Bildchen-Vortrag manch Schmunzeln in die Gesichter der Besucher zauberte; Mitsing-Liedchen von Klaus Lage, bei dem es auch nach 25 Jahren noch "Zooom" macht und Peter Schilling, der teutonisch tapfer "Major Tom" interpretierte, obwohl das Lied nach nunmehr 30 Jahren endgültig kaputt gedudelt ist. Was für eine traurige Erscheinung, dieser Berufsjugendliche. Nun ja. Da waren Malediva, das Traumtrio der Kleinkunst, die man nur küssen möchte für ihre Leichtigkeit in Wort und Ton und ihre liebevoll zelebrierte Zickigkeit. Da war Judy Winter, die das Publikum mit -gottlob!- wenig Betroffenheitstext zum Thema HIV und AIDS verdross, dafür aber sang. Und zwar schön. Ebenso wie "Mieze" von Mia, jener Band, bei deren Liedern jedes Molekül tanzt - und jedes Herz. Sie war bezaubernd, auch weil sie ausgesucht Kluges zum Thema des Abends sagte, das ansonsten auffällig wenig in den Vordergrund rückte. Und das, lieber Yared Dibaba, lag - und nun komme ich dazu - besonders schmerzhaft an Ihnen.

Mit welch gnadenloser Unkenntnis Sie diesen Abend zerpflückt haben, macht schon arg traurig - freilich, nachdem man zunächst wütend war. Keine Moderation ohne Stolperer, Fehler in den Ansagen, Namen, die Ihnen bekannt sein müßten (weil "Mieze" von Mia heuer nicht zum ersten Mal bei "Künstler gegen AIDS" auftrat), schwache Zuspiele zu Andrea ("Kiwi") Kiewel, die es im Gegensatz zu Ihnen zumindest verstand, ein bisschen Charme auch in die äußeren Ecken des Saales zu sprühen. Freilich, sie versuchte mit mancher Einlage aus der Gala einen "Fernsehgarten" zu machen - was aber mißlang. Dank Ihrer Kollegin blieb alles immerhin im unterhaltsamen Bereich, weil sie zeigte, wie man moderiert. Von Ihnen, Herr Dibaba, kein Impuls die Themen HIV und AIDS, Prävention oder Solidarität mit Betroffenen auch nur aufscheinen zu lassen. Obwohl ich fair sein will - die Regie des Abends blendete solche Elemente weitgehend und offenbar gewollt aus. Vor wenigen Jahren noch gab es Filmzuspiele mit Beiträgen zur Arbeit der Berliner AIDS-Hilfe. Bilder, die uns bewegten und deutlich machten, dass das Problem noch immer besteht. Wo blieben die Emotionen und das Mitfühlen zwischen "Mamma Mia"-Auftritt und klassischem Chor?
Höchstens noch bei Miezes Worten gegen das Verdrängen und -Achtung, Herr Dibaba!- bei Ricarda M., der Einkaufskanal-Königin, die als Hauptsponsorin des Abends auftauchte und -lieb gemeint und gemacht- ein strassglitzerndes Schleifchen feil bot. Mit Spendengarantie. Das brachte richtig Geld. Ansonsten und dafür können Sie nun doch nichts, folgte die Form des Abends nicht seiner Funktion, sondern umgekehrt.
Derweil standen Sie in der Bühnenecke und lächelten - ohne eine Idee für einen geschliffenen Satz, eine Pointe oder sonst etwas Passendes.
Hätten Sie Ihre Gage nicht gespendet, man hätte sie zurückfordern müssen!
Ach ja - der Abend brachte etwa 150 000 Euro für die Berliner AIDS-Hilfe. Ein großartiges Ergebnis. Das hat mich getröstet, Herr Dibaba und läßt mich Ihr bühnenunreifes Geschwätz schnell vergessen.

Grüße aus der Reihe 8.

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Fleisch 2.0 - Reales und Virtuelles auf dem "Hustlaball" 2008

Ich gebe es zu. In Zeiten des rasenden Austausches von Informationen, Meinungen, Bildern, Filmen und Milliarden rund um den Globus erscheint ein Blog über ein Ereignis, das mehrere Tage zurückliegt eher "veraltet". Doch es brauchte seine Zeit, bis ich mich von all den meist nackten Tatsachen des diesjährigen "Hustlaballs" in Berlin und von einigen Getränken, die mir einfach vor die Nase gestellt worden waren, erholt hatte. Ich benötigte ganze zwei Tage und eine kleine Reise, um mich zu sortieren. Ausserdem kratzte schon während der Taxi-Fahrt vom Ort des Treibens zum gastlichen Nachtgemach eine nicht ganz unwesentliche Frage an meinen stark überreizten Synapsen - wozu das alles?
Wer mag, lese also weiter, wie ich um Antworten, letztlich aber noch um Atem ringe. Auch wenn der Ball der XXXographen schon Tage, Nächte und -in Internetzeiträumen ausgedrückt- ganze Äonen her ist. (Hustlaball am 17.10.2008 im KitKat-Club, Berlin - Anm. d. Red.)

Nein, verstehe mich niemand falsch! Schon gar nicht Sascha, der charmante Gastgeber des Balls. Ich verreiße dieses Event nicht! Ich stelle seine Wirkung auf Körperregionen des Mannes, die allgemein im Verborgenen bleiben nicht in Frage und ich gebe auch keine besserwisserischen Tipps, wie alles schöner und geschmackvoller aussehen könnte. Obwohl es dazu Einiges zu sagen gäbe! Ich versteige mich nicht in die Schilderung von Einzeleindrücken zwischen mehreren hundert, meist leicht bekleideten oder völlig nackten Kerlen, von denen mehrere Hundert nur das Eine im Sinne hatten. Und alle mit mir .... (ein Scherz). Ich schildere auch nicht die Bühnenshows der Stars der Branche, die an Offenheit keine Wünsche offen ließen, denn ich möchte keinen Ordnungsverhüter locken, mich genauer zu befragen. Ich vergehe mich allerdings an der Bemerkung, dass ich schon mal genauer hinsah, ob bei all den "Einlagen" im Scheinwerferlicht auch bitte Gummis dabei waren. Sie waren es und das war auch gut so! Wie diesbezüglich die Verkehre in den weniger beleuchteten Katakomben des Klubs abliefen, entzieht sich meiner und wahrscheinlich der Kenntnis so manches Teilnehmers. Immerhin gab es Aufrufe, auf die eigenen Getränke zu achten. GHB - die Modedroge bedroht massiv die Partypeople Berlins und fand bei den "Hustlas" plakative Ablehnung. Auch das - ein klares Statement in einem Pool von Lebensfreude, wie die einen sagen. Oder in einem Sumpf von Scham- und Maßlosigkeit, wie es die anderen nennen - die Kritiker, die Warner, die Abgeklärten. Frager wie ich bleiben irgendwo in der Mitte, fragen aber: welche Botschaft steckt in diesem Ball? Was ist die Message dieses Events, das die Labels der Sexindustrie feiert, manchem ihrer Protagonisten den VIP-Raum öffnet und das Gefühl von Wichtigkeit vermittelt und bei dem einerseits der perfekte Phallus vergöttert wird, bei dem aber auch junge Männer im Rudel auf der Bühne teilnahmslos sexuelle Handlungen betreiben, für die sie offensichtlich noch keine innere Haltung aufbringen können. Sind die schrillen Auftritte die Botschaft, die hämmernde Musik, der Geruch von Testosteron, Libido und Poppers? Ist es die Message vom "Schütze Dich"? Wenn ja, hätte ich gern mehr Tütenverteilstationen gesehen und nicht nur jene der MANEO-Jungs.

Vielleicht ist es ja ganz gut, dass der Ball schon einige Tage zurück liegt und sich schnell hinter die Wolken meines Geistes zurück zieht. Vielleicht sollte ich es mir nicht so schwer machen und den Hustlaball als das nehmen, was er ist. Eine Party für Freunde des Handfesten, des Eindeutigen, des Wenig-Verhandel-, aber Wandelbaren. Ach ja, manchmal mag ich das ja auch. Nur das zwischen all den fleischigen Eindrücken Emotion fehlt, etwas Echtes, nicht Gespieltes - ob auf der Bühne oder an den Bars und im Keller. So etwas Freundliches, darf ich sagen Menschliches? Ich bleibe wohl einer jener Konsumenten, die noch immer glauben, am Ende eines Pornofilms komme bestimmt das Happyend.

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Berlin hilft in jeder Lebenslage - ein Ehemaliger sieht seine Stadt

Ach ja - Berlin. Nach mindestens acht Wochen Sommerpause hier im Blog, die meinem Umzug hinaus aus der Bundeshauptstadt in die westdeutschen Weiten und Gefilde geschuldet war, regte sich in mir ein Gefühl von unbekümmertem Heimweh. Eine Mischung aus Neugier (weil sich die Stadt ja ständig ändert) und Freude, so darüber, Freunde wieder zu sehen. Eine berufliche Aufgabe war also schönster Anlass, Berlin für ein langes Wochenende anzusteuern. Und die Freunde. Und die Wahnsinnigen. Ohne Auto, angewiesen auf die BVG und plötzlich mit dem Schimmer des Touristen belegt, der "seine" Stadt zu kennen glaubt und den sie dann doch gnadenlos überrascht. An der Friedrichstrasse entsteht ein "Spreedreieck", ein Hochhaus mit Runddung, dem der "Tränenpalast" weichen musste. Wie fragte der Regierende angesichts des "Alexa"-Konsumtempels am Alex? "Wer hat denn sowas Häßliches genehmigt?" Hallo, Herr Wowereit - die Frage kann man auch an der Friedrichstrasse stellen. Und gleich mehrfach. Wo einst das Vier-Sterne-Hotel "Unter den Linden" DDR-Chic verströmte, steht nun ein Klotz aus Beton und Glas mit dem Versprechen, demnächst den "Douglas-Flagship-Store" zu beherbergen. Und - das muss ja so sein - sicher auch zahlungskräftige Mieter in den Apartments und Lofts, die einen Blick zum Tor der Tore (Brandenburger Tor) bieten dürften. Vor soviel Luxus weicht dann auch das Quentchen Natur, das bis dahin vor dem erwähnten Hotelbau ein wenig Luft in der verbauten Stadtmitte versprach. Alles weg - alles zugestapelt. Schön ist anders...

In einem Kunstforum gegenüber des Friedrichstadtpalastes stellen Künstler aus Korea aus. Moment - das ist spannend, denn es sind Künstler aus NORD-Korea. Erstmals zeigen sie im Westen ihre Bilder, heißt es im Katalog und in den Feuilletons der Berliner Zeitungen. Die "Kunstwerke" sind ein Ausweis einer Gesellschaft, die immer noch in einer Paralellwelt lebt. Wer den Realismus in den Gemälden der DDR ("Lieber vom Leben gezeichnet, als von Sitte gemalt") schon grausam fand, muss sich hier, im vierten Stock eines chic-modernen Glasbaus in Berlins geschäftigem Osten gruseln. Landschaftsbilder von ergreifend trauriger Schlichtheit wechseln sich mit Propaganda-Schinken ab, die nur eines beweisen - an Farbe mangelt es nicht in Pjöngjang. Prachtvoll inszenierte Arbeiter, Soldaten, junge Frauen, die mit Panzern spielen, eine Ärztin, die Kinder vom Lande impft. Details dieses Bildes sind besonders interessant: die Injektions-Spritzen sind offenbar aus Glas und die Nadeln liegen in einer kleinen Wanne, sind also wiederverwendbar. Im Hintergrund fährt derweil ein Panzer vorbei. Diktatoren mögen bei soviel Volkskunst erregt derilieren, dem Betrachter läuft ein ums andere Mal ein Schauer über den Rücken. Übrigens auch, wenn die Frage nach dem Preis von einer netten Dame mit kleiner Brille und Hausschuhen beantwortet wird. Ein Propaganda-Bild, immerhin einer Vorlage zum Druck von Plakaten soll 900 Euro kosten. Ein Landschaftsbild sogar mehr als 10000 Euro. Es geht doch immer um Devisen. Natürlich auch für die Parteifunktionäre des "Geliebten Führers" Kim Jong Il. Früher übrigens, also in Zeiten, als mein Hauptwohnsitz im Wedding lag, wäre ich wohl nicht auf die Idee gekommen, eine solche Ausstellung zu besuchen. Tja...

Die Mischung aus Bewunderung und Ärger über die Stadt bleibt aber in jedem, der hier lebt oder gewohnt hat. Ob ein Jahr oder zehn, wie bei mir, Berlin klopft immer wieder in den grauen Zellen an, aber auch in allen Nervenfasern und Adern. Zu prosaisch? Stimmt. Eben fährt der Mann, wahrscheinlich aus der Türkei nach Berlin gekommen, auf seinem Fahrrad umher und trägt dabei auf Bauch und Rücken knallgelbe, selbstgebastelte Protestschilder. Auf den Tafeln fordert er "echte Demokratie" und "Ich will auch wählen". Ich sehe ihn seit Jahren immer wieder in der Nähe des Nollendorfplatzes herum fahren. Er wird einfach nicht müde so einsam zu protestieren. Doch die Luft muss schlechter geworden sein. Heute fuhr er mit einem silbergrauen Mundschutz im Gesicht durch den Kiez. Im Café Berio herrscht derweil "Business as usual", während im "Boys R Us" gegenüber Sportklamotten mit drei Streifen verramscht werden. Obwohl 20 Euro für ein T-Shirt immer noch recht hochpreisig bleiben - also relativ gesehen, hier in der "Hartz IV-Hauptstadt" (Zitat: Helmut Schmidt). Dafür erfährt der geneigte Kunde ganz nebenbei und schonungslos was derzeit angesagt ist. Vor der Umkleide wird ein junger Mann begutachtet, der sich in eine neue, reichlich enge Designer- Jeans gezwängt hat. Sein Freund scheint skeptisch zu sein und blickt etwas sorgenvoll auf Rückansicht und Schritt des "Boys". Der Verkäufer zeigt hingegen Schöneberger Kenntnis und flötet. Zitat: "Es ist jetzt total trendy, den Puller nach hinten zu tragen."
Berlin hilft doch in jeder Lebenslage.

1 Kommentar 20.9.08 17:16, kommentieren

Der Kampf ums schnelle Netz - die Odyssee eines DSL-Kunden

Dies ist die Geschichte eines einfachen Internetusers. Es ist die Geschichte des aussichtslosen Versuchs, die Moderne ins eigene Heim zu holen. Es ist das Martyrium eines Menschen, der unbefangen glaubte, die neuen Techniken ließen sich wie in der Werbung versprochen nutzen - flexibel, rasant, modern. O 2 can do ! Von wegen. O 2 can nix!

Es war der Traum vom Internet in annehmbarer Qualität. Darum DSL, darum O 2. Doch die schöne Welt der rasenden Informationen wird dem User wohl noch länger verschlossen bleiben, obwohl dieser seit Jahren Kunde bei dem "Dienstleister" ist. Darum gehts: O 2 zeigt sich seit nunmehr fast fünf Wochen nicht in der Lage, einen normalen, bestehenden DSL-Anschluss von Berlin nach Wiesbaden, die neue Heimstatt des Nutzers zu transferieren. Der Kampf ums schnelle Netz gleicht inzwischen jener Odyssee, bei der sich der Held irgendwann Wachs in die Ohren stopft, um nicht vollends durchzudrehen.

Phase 1 - O 2 wird durch den Nutzer angekündigt, dass ein Umzug anstehe und der Betreffende seinen DSL-Anschluss mitzunehmen gedenke. Dies geschieht per Hotline und wird auch bearbeitet. Ein erster Termin wird festgezurrt, sagen wir, Anfang August. (Natürlich gab es ein genaues Datum!)
Der Nutzer und sein Lebensgefährte warten am betreffenden Tag auf einen Techniker der Telekom. Dieser wurde in einem Schreiben von O2 angekündigt, da nur er den Zauberschlüssel für den Internetzugang in seinen Hände halte. Merke: O2 can gar nix, ohne einen Telekom-Techniker!
Nutzer und Gefährte warten die im Brief angekündigte Zeit von 8- 14 Uhr ab. Nichts geschieht. Kein Techniker kommt des Wegs. Anruf bei der O2-DSL-Hotline. In der Akte stehe, man habe den Nutzer nicht angetroffen. Es müsse ein neuer Termin vereinbart werden. Ärgerliches Gegrummel.

Phase 2 - ein zweites O2 -Schreiben verkündet einen neuen Termin. Etwa Mitte August. Leider müsse für das Nicht-Antreffen beim ersten Termin nunmehr eine Gebühr von 59 Euro berechnet werden. Schwer grummeliger Anruf bei der DSL-Hotline (für einige Cent pro Minute). Ein freundlicher Bearbeiter nimmt die Geldforderung nach klarer Schilderung der Phase 1 locker zurück. Warten auf den Telekom-Techniker, wieder, wie in einem neuen Brief angekündigt, zwischen 8 und 14 Uhr. Nutzer und Gefährte checken die Haustürklingel, das Klingelschild und hängen einen gut lesbaren Zettel an die Tür, dass der Techniker gern auch zweimal läuten dürfe, falls sich - wider Erwarten - beim ersten Mal nichts tue. Man sei schließlich anwesend und bereit, mit ihm "den Schlüssel zum Netz zu prägen". Das Warten ist umsonst. Wieder kein Techniker. Anruf bei der DSL-Hotline. Nach viertelstündigem Warten endlich ein Mitarbeiter und die Antwort, die Telekom habe offenbar die falschen Kundendaten. Der Techniker habe "nicht anwesend" notiert, denn er sei - ach - in Berlin an der Haustür gewesen. Wütendes Gegrummel des Nutzers und die Drohung einer Meldung des Vorfalls bei der Geschäftsführung. Schließlich haut sich niemand gern freie Tage sinnfrei um die Ohren.

Phase 3 - ein weiteres Schreiben von O2. Diesmal, Richtung Ende August komme der Techniker bestimmt zur richtigen Adresse. Wieder werden 59 Euro Gebühr aufgerufen und nach kurzem Anruf - genau - bei der DSL-Hotline - wieder locker zurück genommen. Merci. Die Nerven des Nutzers hüpfen Springseil. Erneutes Markieren des Klingelschildes und offenhalten der Haustür. Soll niemand sagen, man habe nicht alles versucht... Das Warten ist erneut umsonst. Ein Kontrollgang an die Haustür gegen 9 Uhr läßt dann das Blut in den Adern gefrieren. Über den Klingelschildern klebt ein Zettel. Gezeichnet vom Telekom-Techniker: er habe die Kunden nicht angetroffen. Ein Fluchschrei gellt über die schmale Strasse. Nachbarn drehen sich betroffen weg. Gibt es einen Gott der Telekommunikation? Und wenn ja, sitzt er in Bonn oder München? Nach einem ungehalten grummeligen Anruf bei der DSL-Hotline weiß der Nutzer: dieser Gott sitzt angeblich in Bonn. Denn ohne Telekom ... eben. Man könne nichts weiter tun, als einen neuen Termin zu vereinbaren. Die klare Lüge des Telekomtechnikers auf dem Zettel am Klingelbrett wird mit dem Satz quittiert: "Das passiert öfter".

Phase 4 - der Nutzer hat inzwischen die Geschäftsführung von O 2 alarmiert und erhält - ja, auch weil es sich um einen Journalisten handelt - einen Internetstick von O 2 als Ausgleich für das entstandene Ungemach. Der Stick in Form eines USB-Speichers sei für die Zeit ohne DSL natürlich kostenfrei, denn der Fehler liege ja im System. Ausserdem tue es allen in München wahnsinnig leid. Ok, sagt sich der Kunde - geschenkt ist geschenkt und legt los. Das Netz tut sich auf, natürlich nicht in DSL-Rasanz, aber immerhin. Die unendliche Geschichte scheint ihr gutes Ende zu finden. Weit gefehlt: auf der folgenden O 2-Rechnung wird für die Nutzung des Sticks eine Summe von etwas mehr als 900 Euro aufgerufen und auch sofort vom Konto des Nutzers abgebucht. Niemand fragt den Kunden, wie es kommen kann, dass aus regelmäßig gleichen Monatsrechnungen von höchstens 70 Euro plötzlich das mehr als 10-fache werden kann. Anruf bei der Bank - Rückbuchung. Anruf bei O 2 - die SIM-Karte im Stick sei ohne "Internet-Pack" gebucht worden. Ja, ein Fehler, aber der komme schon mal vor. Für Menschen mit schwachem Herzen ist dieses Unternehmen wirklich nichts. Doch die Ruhe bleibt, zumal ein neuer Brief ins Haus flattert, mit einem neuen Termin für die DSL-Freischaltung. Dieser Termin war heute.

Letzte Phase - das Warten ist unerträglich. Beinahe stündlich ruft der Nutzer die DSL-Hotline an und fragt nach dem werten Befinden des Telekom-Technikers. Mag sein, dass jemand krank geworden ist oder in Wiesbaden-Nord eine Sturmflut das pünktliche Ankommen des Retters verhindert. Gleichzeitig läuft des Users Partner ebenso regelmäßig zur Haustür, die inzwischen weit offen steht und an deren Klingelbrett sich rote Pfeile als Hinweis für den richtigen Weg befinden. Gegen 14 Uhr, letzter Anruf bei der Kundenhotline. Die Auskunft trifft ins Mark: die Telekom könne heute gar nicht vorbei kommen, sagt ein unbefangenes Stimmchen, denn zwischen dem letzten Termin und heute lägen keine 8 Werktage. Da sei es für die Telekom gar nicht machbar, irgendetwas frei zu schalten. Auch das Argument des Kunden, es gebe eine schriftliche Bestätigung des heutigen Termins beeindruckt die Stimme nicht. Es müsse ein neuer Termin her.

Epilog - der Kunde wird seinen O 2-DSL-Router in eine Kiste packen und nach München senden. Am besten zum Chef des Unternehmens. Oder er zerhackt das Gerät und sendet ein Teil nach München und ein anderes an René Obermann, Vormann der Deutschen Telekom. Schließlich könnte die ganze Techniker-Akrobatik auch ein zirzensich gerissener Zug sein, um dem Konkurrenten Kunden abzunehmen. Wie auch immer, an der Telekom komme ich wohl nicht vorbei, wenn ich per DSL zu Hause surfen will. Zunächst brauche ich etwas Urlaub und mentale Stärkung, um mich in den nächsten Kampf zu stürzen. Derzeit sitze ich in einem Internetcafé. Ist nett hier und - sehr aufgeräumt.

1 Kommentar 4.9.08 20:11, kommentieren

Von "Ving-Loi", Krystle und einem Taxi-Ökonomen - drei Blogs in einem

Det ist Berlin! Das sagt der Berliner zwar nicht, aber es wird ihm von humorigen Zeitungsredakteuren gern in die angeblich große Klappe gelegt. Und weil der Berliner ja sooo helle und angeblich nicht uffn Kopp jefallen is, macht er aus seiner mentalen Verfaßtheit, sprich seinem Befinden auch so gar kein Geheimnis. Das kann störend wirken. Wie im Taxi vom Flughafen Tegel nach Beusselstrasse zum Beispiel, als der knapp vor dem Rentenalter von mindestens zehn wetterabhängigen und zwanzig von allem unabhängigen Zipperlein geplagte Fahrer meine Hauttönung nach dem Spanienurlaub aus dem Rückspiegel heraus begutachtete. "In Berlin wern se nich braun - also derzeit. Is nur kalt inner Stadt." Ich nicke freundlich und wende mich demonstrativ meinem Handy zu. Dennoch fühle ich erneut, wie mich die Augen des Fahrers fest tackern. "Na wenigstens isset Benzin n bisschen runta. Eins fümunpfirsisch. Kriejen se ja nich so mit im sonnigen Süden, wa?" Ich erhebe das Haupt, schaue in den Spiegel und schüttele den Kopf - alles seeeehr langsam. "Auf Ibiza lag der Preis bei 1,27 fürs Normal", sage ich und bereue diesen Satz im gleichen Moment. Nun werde ich Zeuge der kompletten globalisierten Wirtschaftstheorie meines Taxifahrers, die bei Marx beginnt und bei Merkel endet. Die könne ja "oooch nüscht" am Preis machen, meint der Taxifahrer. Nun ja, denke ich - sie könnte die Ökosteuer zurück nehmen - wie sie es zu Schröders Kanzler-Zeiten immer so vollmundig angekündigt hat oder mir wenigstens meine Pendlerpauschale wieder voll gönnen (dass ich in diesem Leben tatsächlich noch einer Meinung mit der CSU sei würde, hätte mich vor einigen Monaten wohl noch in die Selbstkasteiung getrieben!) Doch ich beiße mir auf die Zunge und verschlucke, lächelnd immerhin, die Gedanken. Sie werden keine Sätze. Als wir am Zielpunkt halten brummelt der Fahrer, von den "paar Kröten" käme er auch nicht über den Winter. "Nich ma in Berlin...dieser Hartz IV-Insel." Ich reiche ihm einen roten Euroschein und bedanke mich kurz. Als der Fahrer meine Reisetasche aus dem Koffer wuchtet, streift mich noch einmal sein Scann-Blick. "Na ja, wat red ick. Sie sind sicha nich von hier."

Am Winterfeldplatz lockt ein Supermarkt der besonderen Art. "Vinh-Loi" bietet frisches Gemüse, Sprossen und exotische Früchte, tiefgefrorene Teigtaschen, Krabben, Fisch und natürlich Konserven von der Kokosmilch bis zum Kim-Chi sowie Reis für alle Genuss-Varianten. Im hinteren Teil des Marktes steht eine Waage zur genauen Auspreisung loser Gemüseprodukte. Daran klebt ein kleiner Zettel: "Nicht selbst abwiegen. Bitte nichts drücken!" Ich sehe, wie eine Gruppe kleiner, reiferer Damen, jeweils mit einem Bund Mangold bewaffnet artig davor wartet. Die Damen kennen sich offenbar bestens. Ihrem Äußeren nach scheinen sie Chinesinnen oder Koreanerinnen zu sein - ich wage keine genauere Angabe. Sie quasseln fröhlich durcheinander - auf Deutsch übrigens. Niemand scheint sich allerdings um ihr Anliegen zu kümmern. Sie werden ungeduldig und nehmen dann die Sache in die Hand. Zwei Ladies winken nach einem kleinen Mann in einem angegrauten Kittel, der am anderen Ende des Marktes Maulaffen feil hält. Der Mangold muss schließlich ordnungsgemäß abgewogen werden. "Hallo!", rufen sie im Chor. "Kommen sie mal?" Kurze Pause. Dann wieder ein Ruf: "Wie lange sollen wir noch warten?" Endlich bewegt sich der kleine Mann mit den schwarzen Haaren und dem kleinen Oberlippenbart zur Waage, nimmt den Mangold an sich und wiegt ab. "Wenn sie noch jemanden zum Wiegen brauchen, sagen Sie es. Ich helfe gern", sagt die kleinste der drei Frauen. Der Mann lacht. "Ha, so is das heute. Keine Leute", stammelt er. Die Damen schütteln etwas erbost die Köpfe. Dann sagt eine mit hochgezogenen Augenbrauen: "Sie müssen mal Leute einstellen...die vernünftig Deutsch sprechen." Ich staune und muss lächeln. Sie setzt fort: "Dieses Durcheinander der Sprachen hier - das geht ja nicht. Wenn man etwas will, versteht einen keiner."
Der Händler verspricht freundlich Besserung und verabschiedet die Damen zur Kassse. Det ist Berlin, denke ich und greife zum Mangold - der sieht wirklich gut aus.

Ach - und noch etwas. Ich kannte vor Jahren einen jungen Mann etwas besser, der mir nicht nur ausgesprochen sympathisch entgegen kam, sondern eine Leidenschaft mit mir teilte, für die ich mich, trotz aller Anfeindungen im Freundeskreis, noch nie geschämt habe. So oute ich mich nun auch hier: ich liebe "Dynasty". Jawohl, ich mag die TV-Serie aus den Achtzigern mit ihren hanebüchenden Kleiderkollektionen, ihren schrottreifen Dialogen und grenzdebilen Handlungssträngen um den Ölbaron Blake Carrington und seine Krystle. "Dynasty" war und ist ein Traum von Serie, der beim Pay-TV-Sender Premiere noch bis in unsere Tage hinein immer wieder wiederholt wurde. Der erwähnte gute Freund hatte alle fast 300 Folgen der Serie auf Video aufgezeichnet. In seinem Wohnzimmerschrank drängten sich - ich will nicht lügen - sicher um die 150 Kassetten. Einige Male lagen wir einfach nur auf seiner Couch, um stundenlang die wohl absurdeste Telenovela ihrer Zeit zu kulten. Wie oft habe ich ihn um seine Sammlung beneidet. Nun naht endlich auch für mich Rettung. "Dynasty" oder auf jut Deutsch, "Der Denver-Clan" ist endlich als DVD-Sammlung zu haben. Die erste Staffel liegt als CBS-DVD-Box vor. Darauf der ewig lange Pilotfilm und die ersten Folgen aus 1981 - mit noch sehr einfach gestrickter Handlung und Vorspann. Alexis folgt dann, wie die Fans wissen, so richtig erst ab Staffel 2. Herrlich. Oder wie ich gerne sagte - Alexis for President!

1 Kommentar 21.7.08 19:30, kommentieren

Ibiza - Highlights und Trends 08

Ein bisschen jammern - das moegen wir Deutschen ja besonders gern. Egal, ob das Hotelzimmer nicht die versprochene Seitenaussicht zum Meer, sondern eben nur auf eine Baustelle hat oder das Bufett jeden Morgen und Abend das gleiche, pappige Angebot kredenzt oder das Brot zu trocken, zu hart, zu weich, zu wenig Vollkorn oder einfach nur "graesslich" ist - wir sind immer am Schimpfen. So gesehen und gehoert, mitten in der Calle de la Virgen, jener "Jungfrauenallee" in Ibiza-Stadt (Eivissa), direkt unter der Festung und dem Weltkulturerbe Dalt Vila. Hier sitzen sie, die muerrischen Herren aus Deutschland, nippen am Pilsener und erinnern sich besserer Zeiten, als alles noch proppevoll, "sexyer" (was fuer ein Wort) und mit mehr "Flirt-Faktor" abging. Die zum Vorjahr erneut gestiegenen Preise in manchen Kneipen und beim Eintritt in die einzige Gaydisco der Insel, das "Anfora" (bis 2 Uhr jetzt 12 EUR/danach 17 (!) EUR incl. eines Getraenks) werden bemeckert und - dass es am "Chiringay", dem wohl schoensten Strand der Insel nur noch Pappbecher, statt Glaskaraffen gibt. Es ist ein Niedergang, ja ja und eigentlich muesste man ja spaetestens im kommenden Jahr endlich woanders hin.
Mykonos wurde in die Debatte geworfen und was kam? Ein "bloss nicht..." von einem netten Hamburger, der gerade von der Griechen-Insel "geflohen" war. Da sei alles noch teurer, noch mehr Nepp, noch weniger Service und nur die Maenner - na ja, die seien schon irgendwie netter, was aber Geschmackssache sei. Mykonos koenne er jedenfalls nicht empfehlen.
Also Sitges mit seinen Hochhaeusern? Oder Benidorm? Oder doch das "Yumbo" auf Gran Can? Wenn das kein Thema zum Diskutieren ist !!
Wie sind denn all die "Gay"-Ziele in Eurer Bewertung, liebe Blog-Leser und Shape-Hoerer?
Wo muss Mann hin und was kannste jetrost vergessen?
Schreibt mir Eure Kommentare!
Ich nehme sie mit an den deutschen Stammtisch bei der wunderbaren und einzigartig herzlichen Berlinerin Brigitte im "Exis" auf der Calle de la Virgen oder ins "Angelo", dem Klassiker-Treffpunkt vor dem Gang in die Diskotheken Ibizas. Also ran an die Tasten!

Ich werde mir heute uebrigens TIESTO goennen - jawoll. Der hollaendische DJ-Star legt in diesem Sommer erstmals und exklusiv montags im "Privilege" auf - sage niemand, es gebe nichts Neues auf Ibiza ... ach ja, Paul van Dyk, Armin van Buuren, Alex Gold, Hed Kandi und all die anderen Stars sind wieder da. Puh, Ibiza ist doch noch Ibiza!

2 Kommentare 14.7.08 20:22, kommentieren