Ibiza - Insel in der Midlife-Crisis?

Ibiza - die Insel der unendlichen Naechte will mehr Ruhe. Kaum zu glauben, aber wahr: seit die neue Inselregierung Ernst macht mit ihrem Plan aus der "Isla Blanca" ein zweites Edel-Mallorca zu machen, haben die Naechte Enden. Punkt sechs Uhr hat Stille zu herrschen auf dem Eiland. Vorbei die Zeiten der "Afterhours", wie die Partys nach den Partys genannt wurden. Eine regelrechte Inselkultur - Durchtanzen bis zum Mittag - findet ins Bett. Ibiza, so der Plan, soll erwachsen werden. Die Folgen sind zuweilen komisch. So bewirbt der Riesenclub "Space" nunmehr seine beruehmte "Matinee", die bislang in den fruehen Sonntagmorgen-Stunden im Sand vor Plaja de en Bossa stattfand, als Abendparty. Beginn - Achtung - um 18 Uhr, dann die Nacht durch bis 6 Uhr morgens eben. Rasend gelbe Baendchen werden verteilt, die bis 20 Uhr freien Eintritt versprechen. Das wird der geuebte Ibiza-Space-Abtaenzer erst noch verkraften muessen.

Ueberhaupt scheint der Zauber frueherer Jahre eher wieder im Privaten aufzuleben. Die Zeiten der riesigen Raves und Mega-Partys ist nicht vorbei, aber es ist doch alles etwas verhaltener geworden. Das Inselmagazin "Ibiza heute" schreibt von einer Midlife-Crises der Insel. Nun ja - die Partyflieger, vor allem aus England, donnern weiter tagsueber im 5 Minuten-Takt Richtung Miniairport und am Wochenende fuellen sich Gassen und Hafenkai noch mit froehlichen Menschen, kreischenden Kostuemierten, die fuer die Partys in den Riesenclubs werben und manch ueberstylter Erscheinung. Der letzte Schrei: junge Russinnen tragen weisse Muetzen der Schwarzmeerflotte und lassen den Champagner sicher nicht warm werden. (www.ibiza.ru) An den Wochentagen hingegen schliessen Boutiquen fuer Ibiza-Verhaeltnisse erstaunlich frueh - manche schon kurz nach Mitternacht. Grund: das Gewimmel bleibt aus.

An den Straenden ein ebenso ruhiges, sehr gelassenes Bild. Am "Es Cavallet", dem Strand fuer Natur- und Mannsbild-Liebhaber pocht die Musik nicht mehr allzu laut aus den Boxen des "Chiringay", jenes fast schon legendaeren Strandrestaurants mit dem schoensten Meer- und Kerleblick der Insel. Das "Umpf-Umpf" darf nur noch gedaempft wummern - fordert die Inselregierung. Sogar ueber einen moeglichen Abriss des Strandasyls wird gemunkelt, denn das "Chiringay" steht am Rande der naturgescheutzten Duenen - und die sollen kuenftig nicht mehr nur zerlatscht, sondern gepflegt werden. (Inselregierung)

Die Sonne versoehnt letztlich mit allem, was sich so geaendert hat - von einem Jahr zum anderen. Die weissen Straende, das kristallklare Meerwasser (bislang nur mit einigen wenigen Malle-Quallen), die vielen neuen Partyideen, eben nicht nur der grossen, inzwischen tatsaechlich etwas in die Jahre gekommenen Clubs - das alles macht Ibiza auch in 2008 zur "Isla Bonita". Wenn auch die Schminke nicht mehr ganz so grell scheint und das Midlife fuer das Eiland nun wohl endgueltig begonnen hat.

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FLUGBEGLEITER - die modernen Seemänner ?

So, darüber muss gesprochen werden. Ein guter Freund von mir ist Opfer einer Entwicklung geworden, deren Ausmaß für das Leben in der schwulen Community von einiger Bedeutung sein kann - oder auch nicht. Dennoch bitte ich vor dem Weiterlesen um absolute Verschwiegenheit in puncto aller nicht genannten Namen und geänderten, indirekten Zitate, dafür aber um klare Meinungsäußerungen! So kann es jedenfalls nicht weiter gehen! Denn:

FLUGBEGLEITER BRECHEN HERZEN UND DÜSEN DANN DAVON

Es ist Finaltag bei der Fussball-EM und mein guter Freund H. (Anfangsbuchstabe des Vornamens geändert) und ich (P.)sitzen mit seiner Begleitung (einem jungen Mann namens K. - ja, auch geändert) im "Prinzknecht" zum Gucken und Jubeln. Der dünne Kerl mit dem Ibiza-Teint ist Flugbegleiter und hat von Köln kommend (Ortsname geändert) eine Zwischenlandung in Berlin eingelegt. Wie H Punkt K Punkt kennen gelernt hat, tut hier ausnahmsweise nichts zur Sache. Immerhin ist man sich so nahe gekommen, dass auch vor dem Sitzen auf dem Schoß des jeweils Anderen nicht zurück geschreckt wird. Wunderbar schwul, diese kleinen Neckereien, dieses verspielte Gucken und Glucksen, dieses süße Geklimper mit den hochgezogenen Wimpern, dieses "Winken mit den Äugelein und Treten auf den Fuß". Hach, was sind mein Freund und sein Flugbegleiter glücklich. Nur eine Notwasserung hätte die beiden wohl voneinander trennen können - bildlich gesprochen.
Der Traum vom EM-Titel platzte bekannermaßen und wir schritten Richtung "Heile Welt" zu Nachbesprechung und Biergenuss. Auch hier, in der Lounge des Etablissements herrschte eitel Kuschelfreude, die mir manch übertolerantes Lächeln abforderte. Dann kam die erste Wahrheit. K. hat einen Freund, aber die Beziehung sei offen. Großartig, dieses schwule Selbstverständnis - und das mit 23 (Alter fast genau). Mein Freund H. war happy und geneigt, nun endlich ganz andere Saiten aufzuziehen. Ich entfernte mich und überließ das Paar seiner Bestimmung.

Morgens um sieben piepste mein Handy. Eine SMS von H. "Bin völlig besoffen. K. hat mich einfach sitzen lassen. Jammer." Ich reagiere zwar grundsätzlich nicht auf SMS am frühen Morgen, begann mir aber dennoch Sorgen zu machen. Am Nachmittag erfuhr ich die ganze Tragik des zweiten Teils der amourösen Nacht. H. und K. waren nach dem Geturtel in der "Heilen Welt" ins "GMF" (andere Namen fallen mir gerade nicht ein) gestiefelt - zum Abtanzen und weitertrinken. Dort traf H. auf Freunde, unter anderem einen, bei dem sich -sagen wir es klar heraus- mehr Muckis unter dem Gabbana-Shirt türmen, als unter H.´s Laibchen. K. fing offenbar sofort Feuer und ließ alle Leuchtstreifen aufglühen, die zu seinem "Exit" führten. In gekonnter Manier ließ sich K. das Cockpit des noch fremden Freundes erklären. Man tauschte Telefonnummern und entriegelte dann den letzten Rest des seelischen Sicherheitsgurts. Unter Vortäuschung einer Migräne empfahl sich K. für den Rest der Nacht. Meinem Freund H. blieb nur der immer treue Begleiter - Wodka Gorbatschow.

Sind Flugbegleiter die Seeleute der Moderne? Sind sie es, die gemeint sind, wenn man heute von den Matrosen singt, die in jedem Hafen der Welt eine(n) Geliebte(n) haben? Brechen sie Herzen im Akkord oder verteilen sie einfach nur ihre Liebe und Zuneigung, wie die Mini-Snacks auf Inlandsflügen?
Meine Meinung über solche Düsen-Dates mit Notausstieg steht eigentlich fest - aber vielleicht habt Ihr, meine Leser, ja noch Argumente, Meinungen, eigene Erlebnisse. . .
Lasst es mich wissen, auch im Interesse meines guten Freundes H. aus B. an der S. - bitte!

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"Weihnachten für Schwule"- CSD 08 ein voller Erfolg

Was für ein schöner Erfolg. Mehr als 500000 Menschen tummelten sich auf den Strassen in "Ost"- und "West"-Berlin und rund um die Siegessäule zum Christopher Street Day. Dabei hatten die Organisatoren vom CSD-Verein in Berlin einige Sorgenfalten auszubügeln, nicht nur was das wechselhafte Wetter anging. Eine neue Route, ausgerechnet am 30. CSD hätte - gelinde gesagt - voll ins Höschen gehen können. Doch schon an der Schloßbrücke, dem neuen Startpunkt tanzte und demonstrierte die geballte schwul-lesbische Power auf 47 Wagen und in ungezählten Gruppen zu Fuß am "Alten Fritzen" vorbei. Ein schönes Bild, dass der Preußenkönig wohl auch ganz nett gefunden haben dürfte - natürlich ohne sich selbst nackig zu machen. "Contenance, mein Lieber" - genau.
Reiter-Denkmal und Zuschauer sahen diesmal, wohl auch des Wetter wegen, einem Mix aus Sonne, Wind und Regen, jene - nennen wir es - sicher gut gemeinten Fleisches-Entgleisungen anderer Jahre nicht. Soll heißen: pure Nacktheit wurde weitesgehend vermieden, wenn man von einem Herren-Paar absieht, dass sich komplett körperbemalt zeigte und selbst kleinste Details nicht ausließ.
Am Potsdamer Platz ballte sich erwartungsgemäß das Interesse. Tausende bejubelten den Zug der bunten Leute und fotografierten alles, was in weißen US-Army-Uniformen oder in schriller Lady-Montur über den Asphalt stöckelte (Heteros sind ja so einfach gestrickt! )
Hier hörte ich Kommentare wie: "Laß uns ma weiter vorgehen, sonst seh ick ja nischt!" oder "Die sehen so toll aus!" oder "Kindchen, guck weg!" Der CSD begeistert und polarisiert - gut so! Einzig mäkelig zeigte sich Elmar Kraushaar, Aktivist der ersten CSD-Stunde vor 30 Jahren im schallungeschützten Studio des RBB. Der CSD-Trubel sei ihm fremd geworden, das Ganze vor allem eine Sponsorenshow und irgendwie habe es ja auch nichts mehr mit Politik zu tun. Mit ernster Miene bestätigten dies die Moderatoren, Herr Thadeusz und das Fräulein Schneider (die wohl auch nur auf der Bühne komisch ist), während am Studiofenster Wagen mit dem Losungsmotto dieses CSD "Hass du was dagegen?" vorbei fuhren. Wer es sehen wollte, hätte es also sehen können. Es war ein sehr politischer, fordernder CSD 2008. Das Thema "Ausgrenzung und Gewalt gegen Schwule, Lesben und Transidente" war eben nicht Nebensache, sondern in vielen Darstellungen auf den Wagen, aber auch bei den Fußgruppen vertreten. Da gab es die "Anti-Hass-Ambulanz" oder die Schwestern der Pepetuellen Indulgenz, die schon durch ihr Auftreten in Kostümen und buntem Gesichtsschmuck zur Auseinandersetzung reizen und gleichzeitig vor den Gefahren von HIV und AIDS warnen. Da war die Rede des CSD-Vorstandssprechers Jan Salloch, in der Politik und Gesellschaft ausdrücklich aufgefordert wurden, Homophobie in jeder Erscheinung zu bekämpfen. Auch das Signal in die eigenen Reihen, an Lesben und Schwule selbst, niemanden auszuschließen, weil er oder sie krank, alt, behindert, Tunte oder Drag-King sind, kam an. Hunderttausende hörten es an der Siegessäule und jubelten diesen Forderungen zu. Die ARD-"tagesthemen" widmeten dem 30. CSD einen eigenen Beitrag. An dessen Beginn ließen sich drei Hauptschüler über Homos aus, die in ihren Augen "keine Menschen" seien. Der Hass ist da war die Botschaft des Beitrags, besonders an Schulen und der CSD kämpft dagegen. Die Kollegen hattens also verstanden, auch ohne Nina Queer, die live im RBB "Fiinaaale"-Schlachtrufe anstimmte. Thema verfehlt! Setzen!
Die Botschaft dieses Christopher-Street-Days, dieses "Weihnachtsfests für Schwule und Lesben", wie es Robert Kastl vom Organisatoren-Verein so nett nannte, blieb eben nicht im Humta-Humta der Bassboxen auf den Wagen stecken. Auch wenn diese in diesem Jahr wieder mit besonderer Mühe gestaltet waren. Sieger in 2008, der Space-Wagon, mit "Enterprise-Kanzel" und tollen Jungs in Uhura-mäßigen Kostümen.
Übrigens: Klaus Wowereit fehlte. Der Regierende war nach Paris eingeladen und blieb dem Treiben fern. Die "Mutti vons Janze" verpaßte so die Kritik an der derzeitigen Präventionssparpolitik des Berliner Senats (rot-rot übrigens und beide roten Parteien waren mit Wagen am Start). In Sachen AIDS-Beratung macht Berlin nämlich leider Schotten dicht und zeigt weniger Engagement als die Bundesregierung, die einen nationalen Aktionsplan gegen HIV und AIDS aufgelegt hat. Nu aber ran, Herr Regierender. Berlin, als Brennpunkt der Epidemie sollte zügig nachziehen.
Noch was ? Ach ja. Im VIP-Bereich erhitzten sich die Gemüter an einem Gast im "Thor-Steinar"-T-Shirt. Zwar trug das Hemdchen keine rechtsverdächtigen Runen, dennoch sollte jeder wissen, dass Toleranz und Akzeptanz nicht soweit gehen, als das man jede Dummheit auch noch gut finden müßte - oder? Ausgezogen hätte es dem jungen Mann eh besser gestanden.
Party des Abends: die CSD-Mugge im GMF-Weekend am Alex. Über den Dächern der Stadt relaxen oder abzappeln. Dazu coole Live-Musik (mal was ganz anderes!) - super. Es könnten nur gern mehr Fahrstühle in die 12. bzw. 15. Etage sein und irgendwann auch ein Einlaßstopp. Wie soll man flirten, wenn einem ständig auf die Füßchen getreten wird? Oder war das der Flirt? Ich chille jetzt und denke nochmal drüber nach.

1 Kommentar 29.6.08 13:19, kommentieren

CSD macht mobil - alles anders in 2008

Wer am kommenden Sonnabend, 28.6.08 am Kaufhaus des Westens, Kudamm und am Tauentzien auf den Demonstrations- und Feierzug der bunten Leute, namentlich der Schwulen, Lesben und Transidenten wartet, kann sich einen Stuhl mitnehmen. Denn die Parade zum CSD, dem Christopher-Street-Day hat eine neue Route und kommt zumindest an den genannten Orten olle Westberlins nicht vorbei.
Alle Besucher, die von Anfang dabei sein wollen, müssen in diesem Jahr gen Osten reisen (Achtung, Wagnis, liebe Schöneberger!), in die alte Mitte Berlins sozusagen, zur Schloßbrücke. Da gehts mittags los. So muss man(n) die Stöckelschühchen der Belastung eines Gangs quer herüber vom Hackeschen Markt (S-Bahn) oder längs vom Alexanderplatz (U- und S-Bahn) aussetzen. Grund ist zu allererst die Fanmeile auf der Strasse des 17. Juni, die zwar am Sonnabend nicht geöffnet wird (es ist nämlich spielfrei, Ihr ignoranten Nicht-Fussball-Versteher!), wohl aber nicht so schnell abgeräumt und am Finaltag (dem Sonntag, herrje!) wieder aufgebaut werden kann. Also muss diesmal andersrum (ha, Wortspiel) demonstriert werden und wer es mitmachen will (was die Organisatoren heute schon erflehen), braucht langen Atem und Waden wie Schweini (das ist der Spitzname eines deutschen Fussballspielers mit gefärbten Haaren, Schätzchen!).
Der Weg soll und wird lohnen, sagen die Veranstalter. Der CSD-Verein setzt in diesem Jahr nämlich auf ein ganzes Dutzend politischer und anderer Botschaften und läßt deshalb auch keine Botschaft aus (noch ein Wortspiel! Uff).
An der russischen Vertretung Unter den Linden darf nicht nur der sehr nett anzusehenden, aber letztlich gescheiterten Fussball-Profis um Andrey Arschawin bei der EM gedacht werden, sondern bitte sehr eher der Schwulen und Lesben im angeblich lupenrein demokratisch regierten Russland von heute, die offen angefeindet, ausgeschlossen und bedroht werden. Regenbogenflagge hoch für Solidarität, bitte!
Am Neubau der US-amerikanischen Botschaft in der Behrensstraße darf schon mal nach einer neuen Politik unter einem möglichen Präsidenten Barack Obama gerufen werden. Der zeigt bislang übrigens keine Lust auf eine neue, andere Politik gegenüber Homosexuellen, zum Beispiel zur Frage der Ablehnung Schwuler in der US-Army. Da ist Barack noch ganz George W. Fähnchen hoch auch hier - yes, we can!
Am nagelneuen, sehr würdigen Mahnmal für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus im Tiergarten gehts dann ebenso vorbei, wie viiiel später auch noch an der CDU-Zentrale. Diesen Ort könnte MANN und FRAU zur fröhlichen Anregung an die Merkel-Partei nutzen, dass eingetragene Lebens-Partnerschaften ja noch lange nicht mit der Ehe zwischen Frau und Mann gleich gestellt sind. Und da geht es nicht nur um die Steuer... Hier bedarf es politischer Durchbrüche und manch neuen Gedankens in den Köpfen der Gesellschaft, sprich: vieler Bürger. Dass die allerdings oft weiter sind, als die Politik, zeigt das Beispiel Schweiz. Im Alpenländle stimmten die Eidgenossen gerade erst mehrheitlich für eine Gleichstellung von Lebenspartnerschaften von Homosexuellen mit der Ehe zwischen Heterosexuellen.
Hier können wir alle mehr - schließlich sind auch wir Deutschland!
Überhaupt ist der gesamte CSD in diesem Jahr sehr auffordernd. Das Motto: "Hass´ Du was dagegen?" versteht wahrscheinlich nicht jeder, schon gar nicht mit dem törichten Anhängsel "Einfach Liebe". Aber die Frage provoziert geradezu die Diskussion:
-über noch immer fehlende Anerkennung von Schwulen, Lesben und Transidenten
-über die wieder steigende Zahl von Gewaltdelikten gegen Homosexuelle
-über die längst vergessen geglaubte Probleme junger Leute an Schulen, wenn sie sich outen und spüren müssen, dass "schwul" auf dem Schulhof das angesagteste Schimpfwort ist.
Aber die Frage meint auch die Homos selbst. Sie ist mutig, denn sie bedeutet ein Eingeständnis. Auch unter den ach so toleranten und Toleranz einfordernden Regenbogengängern gibt es Vorurteile, Ablehnung und offene Diskriminierung gegenüber anderen Regenbogengängern - etwa von Muslimen, Alten und Menschen mit HIV. Das Motto spricht so auch die Haltung von Homos zu Homos an - ein historisches Novum, das im Diskobeat der Star-DJ´s auf den 47 Wagen nicht untergehen sollte.
Mehrere Hunderttausend möchten kommen und am Ende der Demo gegen 18 Uhr an der Siegessäule feiern und großen Bands zujubeln. Zum Beispiel den Jungs von "The Bosshoss" mit ihrem Country-Sound oder der "Übermutter", wie Lucy van Orgs neues Projekt heisst.
Also: alles irgendwie anders und doch wie in jedem Jahr. Spaß, Ernst, hoffentlich Sonne und Wärme (angesagt: wechselnde Bewölkung, etwas Sonne, 23 Grad) und jawohl - das gute CSD-Gefühl, dank auch einiger Schlucke lauwarmen Sektes. Manche Dinge ändern sich eben nie!

26.6.08 23:49, kommentieren

Engel, Idioten und wir - 3 Blogs in einem!

Mann, was für ein lahmer Haufen sind wir eigentlich? Wir Deutschen. Am Wochenende versemmeln die vier Nicht-Engel jegliche Minimalchance auf den größten, schwulen Titel dieser Welt - Grand-Prix-Sieger - durch einen jämmerlichen Auftritt ohne Glanz oder den Sexappeal, der dann immerhin noch in russischer Bauart daher kam. Germany - schick endlich einen richtig austrainierten Kerl, natürlich mindestens halbnackt und mit Ballettänzern im Glitzerlook zum Eurovision Song Contest! Mein Vorschlag: Lukas Podolski grölt in Deo-Werbepose und mit einem Fussball unter dem Mucki-Arm um die Wette. Titel: "Ole Ole - Ole Ola". Gab´s schon? Ist doch schon verjährt!
Dann pfeffert ausgerechnet Fussball-Oberlehrer und "Schnee-Akrobat" Christoph Daum, vielleicht im Rausch haarsträubender Gedanken- und Gefühlswallungen eine verbale Idiotie ohne Vergleich auf den Markt, in dem er Homosexuelle und Kinderschänder zumindest in gewisse Nähe rückt. Dieser Elfmeter hätte unverwandelt bleiben müssen, bedroht er doch das faire Spiel zwischen Menschen, die verschiedene Farben auf den Trikots ihrer Lebensentwürfe tragen. Deutlicher gesagt: dieser Unsinn schürt Vorurteile gegen Homos und untermauert homophobe Gedankenwelten.
So. Und zu guter Letzt schauen wir gebannt nach Sao Paulo, Brasilien, wo ganze fünf Millionen Menschen für mehr schwule Rechte und gegen Homophobie auf die Strasse gegangen sind - wunderbar bunt und friedlich. Auch der Christopher Street Day in Berlin wendet sich in diesem Jahr gegen Gewalt und Ausgrenzung von Schwulen, Lesben und all jenen, die wiederum Minderheiten in der Minderheit sind. Denn da steht es mit der Toleranz und dem Annehmen auch beim homosexuellen Mainstream nicht gerade zum Besten. Die Leistungsgesellschaft "Homosexuelle" grenzt noch zu gern Alte, Kranke, Andersglaubende und -fühlende aus. Wer also von der Gesellschaft verlangt anerkannt zu werden - und das wollen doch irgendwie immer alle Homos, der sollte zunächst vor der eigenen Tür nachschauen, ob da nicht noch der Gedankenbesen aus Vorurteilen und Ablehnung steht. Leider sind diese im Vergleich zu vergangenen Jahren geradezu revolutionär neuen Forderungen des CSD Berlin dem großen Publikum noch immer nicht bekannt. Schade, denn in vier Wochen rollen ja schon wieder die Wagen. Nu aber los!

1 Kommentar 26.5.08 18:04, kommentieren

Auch das noch - Nina Queers tierische Karriere

Schon gesehen? "Unsere" Nina Queer hat es endlich geschafft. Die Fernsehkarriere ist nicht mehr nur beschlossene Sache. Die Diva des Trash ist ein Star mit eigener Klatsch-Rubrik im deutschen Privatfernsehen. Darauf ein kräftig schmutziges "Hossa". Hemmungs- und gnadenlos zeigt sie kleine Kinderbüchlein über Pferde vor und preist deren Preis bei E-Bay, um sie dann dem Kameraassistenten vor die Füße zu werfen. "Der soll auch mal gut leben..." Ja, Nina, das ist prickelnder Humor vom Allerfeinsten und in der deutschen Bespaßungslandschaft einmalig grausig. Aber die Gute hat ja Recht, im deutschen Fernsehen wirklich nichts unversucht zu lassen. Uns fehlte ihr Gesicht in regelmäßiger Ausfertigung von Verblödungsshows doch schmerzlich. Oder etwa nicht ? Und niemand, ich schwöre, weiß das besser, als die "Queer" selbst. Aufgerüscht und hochgebotoxt gibt das Luder aus dem Pberg die tierliebe Dame von Welt, die angeblich auf Studiogäste wie Verona Pooth wartet, dann aber doch lieber zum Mittagessen mit Madonna aufbricht. Hach, haben wir gelacht. Das klingt alles nach Soapsender? Aber nein. Nach diversen Auftritten in Echtzeitserien macht Nina nunmehr endlich was allein - sie sitzt auf einer Couch. Toll. Mit einem Handy. Großartig. Und sie redet. Ach herrje!
Neben ihr zwei Viecher, Hunde, wenn ich meinen müden, von der wackligen Kameraführung überanstrengten Augen noch trauen darf, die sogar Namen haben: Kylie und irgendwie. Jawohl, so haben wir uns das immer vorgestellt. Die Nachtaktive gibt die Wissende aus der Welt des Glamour, wie in besten Zeiten ihres Quiz im eigenen Etablissement - für Berlin-Touris ein Muss: das "Schmutzige Hobby" in der Rykestrasse 45. Oder bei den Auftritten in der eigenen "Irrenhouse"-Partyreihe im Geburtstagsklub. Oder als "Glamour-Report"-Kolumnistin für shape.fm. Gern macht die Nina für alle den Diena - hahaha, was für ein Reim -könnte von ihr sein. Isser aba nich. So, und bevor ich völlig abtreibe, noch der sanfte Hinweis, wo "La Nina" denn nun zu sehen ist. Immerhin am letzten Donnerstag in einer Sendung mit Peter Maffay, der über gequälte Hühner in Legebatterien referierte und dass es ein Privileg sei, von Tieren gemocht zu werden. Keine Sorge, es ging ihm sonst soweit gut. Angekündigt wurde die Queer übrigens von Naderian Mandana. Klingelts? Freaks zucken zusammen, gell? Was, Frau Queer bei Neun Live? Nein, das wäre selbst deren Zuschauern nicht zuzumuten. Also wo?
Besorgen Sie sich Kabel Deutschland, sehen Sie Digital-TV und schalten Sie auf einen Sender, der vom Wurmmittel bis zur Langfellbürste alles verkauft, und zwischendurch die Nina zoogerecht präsentiert! Helfen Sie Tier.TV - wuff.

1 Kommentar 16.5.08 10:57, kommentieren

Badehosen im Partnerlook und Blicke vom Balkon

Da liegst du mit ein paar Freunden am besonders warmen Teil des Strandbades Wannsee und siehst dich einfach nur um. "Kandidaten abscannen" nennt das ein Freund von mir, der sonst gern unerkannt bleibt. Im gleichen Augenblick, da du deine sommerliche Kleidung aus den Kollektionen des Vorjahres ablegst, möchtest du deinen noch immer leicht winterspeckigen Bauch schon nicht mehr in die brennende Sonne des Neusommers halten. Denn erstens haben schon die meisten der zwei Millionen Schwestern am Badeplatz nach nur zwei Tagen Bestrahlung durch unseren Stern eine derart tiefengebräunte Haut, dass Du annehmen musst, sie sind an den iberischen Küsten aufgewachsen. Zweitens leuchten dich von allen Seiten durchtrainierte Körper an, denen nur die Stempel ihrer jeweils zuständigen Fitness-Companies fehlen und drittens wagst Du es nicht mehr, obwohl der rechte, äußere Teil des Wannsee-Bades offizielles FKK-Areal ist, die letzte Hülle fallen zu lassen, denn: Nackt ist out! Stattdessen klimpern Dich Männer in Badehosen aller Formen und Schnitte an. Selbst der rote Tanga, auch gern "Ritzenputzer" genannt, feiert fröhliche Urständ. Und wer zeigen will, dass ihm all die verführerischen Knusper-Torten im heißen Sand nichts "anhaben" können, der geht -mit Partner natürlich- in blau-weiß gestreiften Buxen, sprich im Partnerlook. Auf manch mehr oder weniger rundem Gesäß prangt allerdings noch die "0 7", was nicht etwa den Jahrgang der letzten Wäsche bezeichnet, sondern das Erscheinungsjahr des Textils einer australischen Schlüpfermarke. Das ist sehr von gestern, Freunde, denn natürlich ist 07 Geschichte und vergangen. Besonders hippe Bader tragen deshalb auch schon die weiße "Aussie" mit der "0 8" auf dem Allerwertesten. Ja, die Mode kennt halt kein Pardon. Besonders empfohlen sei der Imbißstand am "Effi". Hinter der Theke mit den bunten Aushängen für Würstchen und Pils arbeiten zwei Serviceherren, die berlinerischer nicht sein könnten. Auf die Frage eines netten Franzosen: "Was bitte ist der Unterschied zwischön Wiener und Bockwurst?" gibt es die herzlich klare Ansage: "Die einen sind lang, die anderen dick!" Genau. Jeder liebt es eben anders.
Ansonsten seien noch zwei No-Go´s angemerkt, als Ansporn für den Rest der Saison an Berlins schönstem Tümpel:
Nummer EINS: Autos.
Wer wie zu Pfingsten´geschehen, mit eigenem Fahrzeug zum Wasser will, hat nur Streß. Dabei weiß jeder, dass das Strandbad Wannsee nur eine Handvoll Parkplätze zu vergeben hat. Ansonsten herrscht fast überall Parkverbot! Absolutes sogar. Und: die kleinen Wege sind für zwei Fahrzeuge plus Parkende rechts und links zu eng. Vermeidet Lackschäden und Frust - fahrt Bahn und trinkt den Eistee auf Teilung in aller Entspanntheit!
Nummer ZWEI: Müll
Wer im Sand liegt, hätte es gern kuschelig. Würstchenpappen mit Senfresten, Zigarettenstummel, Bierflaschen und Kondome (ok, das ist ne Übertreibung) machen den Aufenthalt nicht gerade luxuriös, sondern nur eklig. Schon vor dem Aufbruch gen Heimat macht sich ein regelmäßiger Gang zum ALBA-Container also gut und sorgt manchmal sogar für neue Kontakte... I can tell you. Ergo: räumt Euren Mist weg!

Viva GMF!

Wem die Hitze zu Kopf steigt, der zieht aufs Dach. Am Alexanderplatz lockt die schönste Terrasse der Stadt. Bob Youngs´GMF lädt das Partyvolk in den 17. Stock und läßt dabei tief hinab blicken. Entspannte Musik und Lounge-Gefühl hoch oben mit einem fantastischen Blick auf Berlin, den Fernsehturm, das "Wowi-Haus", Hotel "Stadt Berlin" und Alex. Urbaner gehts nicht. Drinnnen rauscht auf zwei Etagen die Party mit allen großen DJ-Namen der Stadt - das ist noch immer und unangefochten der beste Platz zum Sein - the place to be. Thanks GMF. Thanks Bob. Let the sunshine in!

1 Kommentar 13.5.08 12:08, kommentieren