Gayle Zeit - Gayle Tufts rockt im TIPI-Zelt

Wer Gayle Tufts, "Dinglisch"-Künstlerin und Wahlberlinerin mit uramerikanischer Biography heute noch eine Komikerin oder "Comedian" nennt, tut ihr unrecht. Tufts is an event on stage. Mit her new show "Gayle Tufts rockt" im TIPI-Zelt at Chancelloramt zeigt sich die Entertainerin endgültig ready for the big show. TV - come on!

Sie kommt auf die Bühne und legt gleich mal zwei Rock"classics" hin. Gayle Tufts war nie more live. Behind her stehen vier großartige Musiker, die feine Sounds kreiieren, eine Sängerin from NRW und ein Sänger, der auch Tänzer ist, from the States. Was dann fast zweieinhalb Stunden über die Tipi-Bühne geht is packed with power, fröhlich, sentimental - a great show. Es ist ein Programmmix, ungewohnt und ungewöhlich, der Anlauf beim Zuschauer braucht, auf den man sich einlassen muss, weil er eine Einladung auf den Rollercoaster, die Achterbahn der Gefühle bedeuten wird.
Tufts singt: laut, leise, variabel, Meilensteine des Rock von Led Zeppelin zum Beispiel, David Bowie und Genesis, aber auch Lieder, die wie Illustrationen zu den Stories sind, die sie aus ihrem Leben as a American-Berlin-Girl erzählt. Surprising Songs aus Zeiten als she als flammender Teenager auf das Leben wartete oder als Neu-Berlinerin im WG-Hasch-Rausch Tanztheater performte und den Sprung in die ach so modernen 80er wagte.
Tufts singt alles: Pat Benatars "Love Is A Battlefield" ebenso wie Nenas "99 Luftballons" und sogar Tokio Hotel (wow). Sie schmiedet ein Medley aus Luftnummern, sprich Rocksongs, die die Luft verehren und im tieferen Sinn die Freiheit meinen. "In The Air Tonight", "Love Is In The Air", "The Air That I Breathe".... and on and on.

Der Aufwand ist enorm. Alles bei dieser Show soll im richtigen Licht spielen, im richtigen Tempo, in der richtigen Stimmung. Gayle Tufts ist mit unbelievable Präsenz am Start, adressiert aber keine Bemerkung, keinen Joke ohne Hintergedanken an ihr Audience. Trotz der lustigen Lebenserinnerungen, der meisterhaften Beobachtungen typisch "deutscher" Verhaltens- und Redeweisen, die das Zwerchfell beben lassen, bleibt sie immer "serious", ja - eigenartig ernsthaft. Einmal im Programm des Premierenabends prallt diese "Seriousity" sogar auf die Erwartung der Zuschauer an die Komikerin Tufts. Sie singt, übrigens wunderbar stimmig arrangiert und mit Gitarrenbegleitung, Peter Maffays Klassiker "So bist du". Schon nach den ersten Worten lacht das Publikum was sicher not planned war. Tufts singt den kompletten deutschen Text mit großer Hingabe und Liebe zu Sprache und Lied, muss aber hart ackern, um den Eindruck einer Veralberung des Schmachtsongs abzubiegen. Hier treffen Bedeutungswelten aufeinander und the Artist meets ein Publikum, das offenbar nicht jede Sentimentalität mitmachen will.

Sie ist ganz Amerikanerin, so wenn Gayte Tufts die Flagge schwenkt und sich über die Vorwahlen in den USA ausläßt. Oder wenn sie, mit a voice of protest gegen alte und mögliche neue Präsidenten wettert und dabei keinen Hehl aus ihrer Zuneigung für Barack Obama macht. Da droht der Abend unrockig, um nicht zu sagen, "uncool" zu werden. Da ist weniger wohl mehr. Zuletzt ist doch der gute, alte, ehrliche Rockn´Roll das Elixier des Abends - jede Abweichung dagegen ein Wagnis.

Bis Juli spielt die Tufts en suite ihr neues Programm. Sie hofft übrigens darauf, irgendwann Ehrenbürgerin Berlins zu werden - because she loves this city of "black sheeps" and the mayor, Klaus Wowereit. Der lächelte dazu übrigens freundlich im Premierenpublikum. Gayle Tufts ist immer ein Ereignis - bei "Gayle Tufts rockt" mehr als je zuvor. I think, Gayle, you are on the best way to get the funky Berlin-Ehrenbürgerschaft.

1 Kommentar 8.5.08 13:17, kommentieren

TEMPELHOF und kein Ende?

Verstehen Sie noch das ganze Theater um Tempelhof? T-E-M-P-E-L-H-O-F, der Museums-Flughafen, mitten in der City-West. Ja, genau der. Offenbar soll aus der unsäglich provinziellen Frage, ob dieses Flugfeld weiter betrieben werden soll, ein enervierender Dauerbrenner gemacht werden. Trotz des gescheiterten Volks"entscheids" vom Sonntag. Die Gründe sind durchsichtig.

Puzzlen wir´s nochmal auseinander. Für jene in der Berliner CDU, die es noch immer nicht verstanden haben. 609 509 "JA"-Stimmen wären notwendig gewesen, um dem Regierenden Bürgermeister den Weiterbetrieb von Tempelhof als "Volkes Wille" zu verkaufen. Tatsächlich kamen 530 231 "JA"-Stimmen zusammen. Das sind nach Adam Ries einige weniger als nötig. Sind wir uns soweit einig? Wir könnten das Ganze auch noch in Prozente gießen und kämen statt der notwendigen 25 Prozent der Wahlberechtigten für einen Erfolg der Abstimmung auf gerade 21 komma sowieso Prozent. Auch klar, oder? Dennoch will die Rhetorik, dieser Volks"entscheid" sei ein Erfolg für die "JA"-Sager gewesen, nicht enden. Im Gegenteil: jetzt wird das Ergebnis gedeutet, wie es gerade passt. Wirtschaftskapitäne, wie Wöhrl sagen, die "JA"-Zahl könne niemand übergehen. Das ist tatsächlich noch am Einleuchtendsten. Mehr als 500 000 Berliner für den flügellahmen Flughafen - ok - nicht wenig! Der Regierende Klaus Wowereit weigert sich in seiner Herrlichkeit nämlich noch immer die Bedeutung dieser Zahl zu realisieren. Längst hätte er in präsidialer Größe - zumal als vielleicht künftiger Kanzler - einen Schritt auf die Tempelhof-Verteidiger zugehen und die Abstimmung als Teil direkter Demokratie fördern können. Stattdessen versuchte er das Theater bärbeißig links liegen zu lassen. Eindeutig ein Fehler.
Soweit noch alles richtig? Ja, oder? Doch da ist auch noch CDU-Fraktionschef Pflüger. Um es mit dem "Teutonen" Trappatoni zu sagen: "Was erlaube Pflüger?" Er rechnet dem Regierenden vor, dass dieser von weniger Menschen gewählt worden sei, als der Flughafen. Und überhaupt rechnet er alle Zahlen zu einem riesigen Erfolg um, am dem niemand vorbei könne. Letztlich hätten die meisten Berliner Tempelhof gewollt. Das nennt man "Realitätsverlust". Die verbalen Brennstäbe sollten sich ins Fleisch des Regierenden graben, haben aber mit der Sachfrage Tempelhof so wenig zu tun, wie ein Hühnerei mit Wodka.

Tatsächlich geht es um die Wiedergewinnung der konservativen Mitte Berlins. Es geht um die Stimmen in Steglitz, Zehlendorf und Wilmersdorf, um die Gutverdiener in Charlottenburg und die Frage, wer für die ausgemachte Mittelschicht (deren Zahl wir nunmehr sogar recht genau kennen dürften) in Berlin Politik macht. Die CDU hatte bei den letzten Wahlkämpfen so wenig Fortune gegen den beliebten, polternden Regierenden gezeigt - da musste ein Achtungserfolg her. Kostete es, was es wollte! Es ging um nicht weniger, als die politische Existenz der Christdemokraten und ihres stets überkorrekt, aber technokratisch auftretenden Fraktionschefs Pflüger. Wer für die Geschichte des "Rosinen-Bomber-Flughafens" steht, wer Westberlin noch in seinen ursprünglichen Grenzen sieht und als sprichwörtliche Wilmersdorfer Witwe Berlin verteidigt, der muss nunmehr Friedbert Pflügers Truppe das Käsetörtchen am Kudamm spendieren. Die Tempelhof-Kampagne könnte dies bewirken, wenn die Initiatoren jetzt nicht zu "Spielverderbern" werden, die in Nach-Wahl-Schröder-Manier ihre Niederlage vom Sonntag nicht anerkennen wollen. Da droht der Bumerang - der politische.

1 Kommentar 28.4.08 14:04, kommentieren

"13"-WALZ und "DSDS"-DIETER - gleich zwei Blogs in einem!

Walz-Glück wird besiegelt

Berlin steht Kopf, zumindest das Berlin, dass sich in Druckerzeugnisse wie die B.Z. drängt. Starfriseur Udo Walz will heiraten und alle sind komplett aus dem Häuschen. Zu recht, denn der kurz über 60-jährige "ewige Junggeselle", wie ihn benanntes Springer-Elaborat schon betitelte, ist im Herzen seit mehr als einem Jahrzehnt verpartnert. Was? Der Walz also auch ? Wen sollte das bitte noch wundern, liebe Boulevard-Finken? Carsten Thamm heißt der Mann an Udos Seite - seit 13 Jahren. Walz wollte eigentlich nie zum Standesamt. Einmal nur hatte er seinen Carsten gefragt - vor 10 Jahren etwa. Doch der PR-und Marketingexperte Thamm habe damals noch "Nein" gesagt, worauf Walz meinte: "Ich frag nie wieder." Doch nun, nach 13 Jahren Zusammenleben, 13 Jahren Zusammenarbeit an gemeinsamen Projekten, wie neuen Salons und einem erweiterten Walz-Sortiment, z.B. für stilvolle Hundemode und Zubehör, nach 13 Jahren in Liebe und Gemeinsamkeit solls nun sein. B.Z. jubelte sogleich, die Zeitung sei offizieller Trauzeuge des Paares, als ginge es um das Sponsoring einer Fußball-EM. Das wäre allerdings ein interessantes Konzept: die Walz-Hochzeit als große Show. Die Ringe (es soll zwar keine geben, aber was solls!) kommen von einem Schmuck-Imperium, die Garderobe natürlich von aufgekratzten Berliner Designern, der Regierende überreicht "joldige" Bärchen und T-Shirts mit "Bi Berlin"-Aufdruck, tja und die Hochzeitsreise kommt von Spartacus-Travel. Ach das wird wunderbar, lieber Udo. Herzlichen Glückwunsch! Von Herzen...
Weitere Ideen ? Bitte sehr, ab ins Gästebuch!

"DSDS" mit Gähnfaktor "Unendlich"

Es muss gesagt werden - es drängt sich auf. Wer am Samstagabend nichts Besseres zu tun hat, wem z.B. die Freunde ausgegangen sind, der kommt an "DSDS" gar nicht vorbei. Die Show der letzten 10, 9, 8 aus angeblich 30000 teilweise talentfreien Talenten bröselt in ihrer 5. Runde über die Mattscheiben. Sie ist - ja ich wage es zu sagen - nie langweiliger gewesen, als in dieser Auflage. Der Grund sind nicht einmal die Kandidaten, obwohl es wirklich nicht nachvollziehbar ist, warum Langweiler-Frauen wie Stella Salato und Möchtegern-Männer wie Thomas Godoj (ein Nasal-Akrobat und Komplett-Zersäger, besser Zerquetscher sämtlicher Musiktitel) überhaupt in den "Mottoshows" gelandet sind. Hat die Jury um Dieter "Titan" Bohlen diesmal so sehr geschlampt? War die Langeweile bei "Bär" Läsker, der nicht mal sprechen kann, schon in den Ausscheidungen so groß, dass nun nur Verlegenheits-Kandidaten auf der bunten Bühne stehen und sich von Marco Schreyl begrabbeln lassen müssen? Es ist ein Alptraum für jeden, der Musik mag und gern mitfiebert. Sympathisch wirken in dieser Staffel lediglich die süße Rania aus Holland, die leider seit einigen Wochen an herbem Stimmverlust zu leiden scheint. Und der ebenso süße Benjamin Herd, der gern zwinkert und um seine Fans weiß, die ihn trotz deutlicher Stimmversager von Runde zu Runde telefonieren oder neudeutsch "voten". Herd wird nunmehr seit drei Wochen nach jedem Auftritt planmäßig fertig gemacht, als könnte er etwas für die Schwächen der Sendung. In der letzten Ausgabe (Thema: ausgerechnet Maria Carey und Take-That-Songs) endlich versuchte sich der "Kleene", den Bohlen in der ersten Folge noch adoptieren wollte, zu wehren. Er kritisierte reichlich ungeschickt den ebenso so reichlich ungeschickten Auftritt von Weltstar Mariah Carey. Dabei sah er eben aus, wie ein 16jähriger aussieht, dem etwas nicht paßt. Die Arme vor der Brust, das Gesicht zur Faust geballt. So will aber niemand "Benni", den Strahlemax sehen, dem die Belastung des ewigen Draufhauens nunmehr anzusehen ist. Wo ist er hin, der "Benni", der beim Casting noch seine Gefühle heraus schrie: "Deutschland sucht mich!". Pfui, pfui, Starschelte - sowas macht man doch nicht. Herd hatte allerdings recht. Was die Diva Carey Playback ablieferte, war letztlich abschreckend für jeden, der selbst ein "Star" werden will. Das sollte Weltniveau sein? Um mit Bohlen zu sprechen, hätte die Trulla mit ihrem Auftritt gerade mal einen Vereinssaal rocken können. Nein - die Langweile liegt nicht wirklich an den Kandidaten, sondern inzwischen am Konzept von "DSDS". Hinter den Kulissen wirken offenbar derartig viele Stimmtrainer, so genannte "Vocal-Coaches", Redakteure, Aufnahmeleiter und vor allem Marketing-Fritzen, die den Kandidaten so viele Flöhe, von BRAVO-Shootings bis CD-Reklame und wohl auch Schreckensaussichten bei Spielverweigerung ins Ohr setzen, dass die Kids vollkommen vergessen, sie selbst zu sein. Ängstliche Blicke während ihrer Auftritte sind das Ergebnis. Siehe Rania, aber eben auch Benjamin und andere. Laßt sie doch mal sein, wie sie sind! Formt nicht zu früh an ihnen herum! Es würde der Sendung gut tun und letztlich den Kandidaten. Sie sind ja auch nur Menschen.
Anderer Meinung? Aber gern. Hier ins Gästebuch!

1 Kommentar 6.4.08 10:54, kommentieren

Kuschel, kuschel, kuschel - ein Hase ist Nummer 1 der deutschen Hitparade

Mal ehrlich: wer braucht noch Superstars? Warum tun sich junge Leute die Kritiken von Dieter Bohlen, dem Hohepriester des Seichten, noch an? Es geht doch alles viel einfacher. Man nehme einen computeranimierten Hasen mit großen Kulleraugen und einer Möhre in der Pfote, füge eine quietschende Computerstimme hinzu und - jetzt kommt das Entscheidende! - sende das Ganze mit massiver Aufdringlichkeit in Werbespots für Handy-Klingeltöne. Fertig ist die neue Nummer Eins der deutschen Musikhitliste. Dieter, Sie können nach Hause geh´n!

"Kuschel, kuschel, kuschel, kuschel.
Bist mein kleiner, süßer Schnuffel.
Bist mein kleiner, süßer Stern -
hab dich zum Kuscheln gern."

Gegen die Liedzeile des "Kuschelsongs" war Modern Talking Hochkultur. Und vielleicht ist der Computerhase ja der legitime Nachfolger der "Cheri, Cheri Lady". Doofheiten in der Popmusik gab es nämlich immer. Sie spülten Talente, Spinner, Trendsetter und manchmal sogar spätere Weltstars an die Spitze der Beliebtheit beim Publikum, ließen sie mehr oder weniger lange Zeit glänzen oder schon bald wieder abstürzen. Beim Hasen aus dem Computer ist dies anders. Hier rühmt sich der "Jamba"-Konzern, der weltweit größte Anbieter von Handy-Schnick-Schnack wie Klingeltöne, Wallpapers, Spiele und Freizeichen einer "hauseigenen Kreation", die ein echtes Reißbrettprodukt ist. Es reiht sich ein in die Kette solcher Elaborate wie "der besoffene Elch" oder "der bekloppte Frosch". 2005 sorgte der "Crazy Frog" in England für Furore. Das Motorrad fahrende Amphibium verdrängte damals die Edelpopper von Coldplay von Platz 1 der Hitparaden und wurde der erste Klingelton der Welt, der es an die Spitze der Verkaufscharts geschafft hatte. Ein zweifelhafter Meilenstein für die Musikindustrie, ein Megaerfolg aber für den "Jamba"-Konzern, der in Großbritannien als "Jamster" firmiert. Mit dem im Fernsehen massiv beworbenen Frosch nämlich verkaufte das Unternehmen die Abonnements für weitere Handy-Dienstleistungen gleich mit und machte kräftig Kasse. Viele der Kinder und Jugendlichen wurden plötzlich zu Kunden, ohne genaue Ahnung, dass sie mit dem Herunterladen des Frosches einen Zugang zu ihrem Geldbeutel gelegt hatten. Ob auf der Telefonrechnung oder und schwieriger nachzuvollziehen über ihre Handy-Prepaid-Karte. In 338 Fällen, so berichtet Wikipedia, sollen Schadenersatzansprüche zugesprochen worden sein, da die Hinweise auf die Abos in der britischen Fernsehwerbung zu klein und zu kurz auftauchten. Auch in Deutschland gibt es Spielverderber, wie Verbraucherschützer und Medienkontrolleure, die "Jamba" deshalb immer wieder im Visier haben.

Doch das Unternehmen hat eine enorme Größe erreicht. Im Jahr 2000 von drei Brüdern gegründet, beschäftigt der Konzern heute 600 Mitarbeiter. Australiens Medienmogul Rupert Murdoch kaufte sich 2006 ein und verknüpft "Jamba" mit seinen Internetplattformen, wie MySpace.com mit ungeahnten Synergien, die der Dingeling-Anbieter clever nutzt. "Jeder Werbespot, den wir im deutschen Fernsehen schalten, refinanziert sich innerhalb von Minuten", sagte mir einmal ein "Jamba"-Mitarbeiter. Der Euro rollt, sobald der "Kuschelhase" auf dem Bildschirm auftaucht. Und er taucht auf - in massiver Aufdringlichkeit.
Auf Musikkänälen wie MTV und VIVA vergeht tagsüber kaum ein Werbeblock ohne kreischbunte und extra hektisch geschnittene Klingeltonwerbung. Zwischendurch, wie zur Erholung, taucht dann der "Kuschelhase" auf, schaut treuherzig in die nächtliche Hemisphäre und quietscht sein Liedchen, das übrigens von einer studentischen Mitarbeiterin bei "Jamba" eingesungen worden sein soll. Soviel Gefüüühl lockt offenbar, verführt Kinder, Jugendliche und alle, die so etwas für Romantik halten. Längst hat "Jamba" einen eigenen Fernsehkanal auf dem Satelliten Astra. Längst ist Nachschub in Planung, für die Mobiltelefone dieser Welt.

Doch was sagt die neue Nummer 1 der deutschen Hitparaden über uns aus? Wenn Musik immer auch der Spiegel ihrer Zeit ist, dann kommt das Bedürfnis nach Nähe und "Kuschel"-Harmonie aus dem Computer wohl nicht ohne einen Blick in die Lebenswirklichkeit der Konsumenten aus. "Jamba" kennt seine Kunden sehr gut und setzt zielgerichtet auf die Sehnsucht, nicht nur von Teenagern nach Romantik, Putzigkeit und Vergessen des Alltags. Es wäre interessant, genauer zu erforschen, ob die mangelnde Teilhabe einzelner Schichten am Aufschwung, die Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher und die Unübersichtlichkeit des Lebens in der gloablisierten Welt zum Kauf von computeranimierten Hasen-Klingeltönen führt. Oder nähme man das Phänomen damit zu ernst? Vielleicht. Wo sind die Soziologen, wenn man sie braucht? Dieter Bohlen immerhin kann wohl einpacken.

1 Kommentar 22.2.08 11:54, kommentieren

Berlinale ? No, No, No ! - Ohne Rummel fehlt dir nichts

Anfrage eines Lesers: warum schreibst du nicht vom "Bärenfest"? Hmmm. Jetzt werde ich also schon auf der Berlinale vermisst... Gut, dann gibt es hier die klare Begründung dafür, warum ich diesem Rummel fern bleibe und nicht zum "Bären-Blogger" werde. Eigentlich ist Mathias Schweighöfer Schuld. Oder sagen wir so; der Schauspieler hat mir die beste Begründung geliefert, warum ich mich dieses ganzen Zirkusses enthalte, wie ein Raucher der Zigarette im Berliner Kaffeehaus. Schweighöfer sagte in einem Fernsehbericht über eine der drei Millionen Partys zur "Bärenjagd", er finde die Berlinale ganz toll und komme sicher im nächsten Jahr wieder. "Dann sehe ich mir auch ein paar Filme an." Genau. Das ist der Grund, warum mich roter Teppich und Limousinen am Potsdamer Platz irgendwie so gar nicht locken. Um die Filme geht es inzwischen nämlich nur noch am Rande. Dem Trend zur Boulevardisierung der Medien folgend, wird immer wichtiger, wie Stars und Sternchen auf dem roten Teppich oder auf Partys glänzen, statt auf der Leinwand. Ich habe in TV-Berichten noch nie so viele "Stars" auf Empfängen und Festitäten gesehen, die in nicht einem Festivalfilm auftauchen, wie in diesem Jahr. Dieser Jahrmarkt der Eitelkeiten hat etwas sehr Gewolltes. Medial herrscht dazu ein Überangebot an "Berlinale"-Themen und Sendungen, gespeist offenbar vom Gedanken, dass ein solches Filmfestival alle, aber auch alle Zuschauer interessieren müsse. Da muss ich doch nicht auch noch meinen Senf dazu geben, oder?
Also gut...
Berlin tut der Glitzer gut, natürlich. Doch es ist, wie bei einem Besuch von Verwandten. Man ist auch froh, wenns vorbei ist.
Zudem verwischt das Interesse für Festivalfilme, die Konzentration auf deren Inhalte und Anliegen mit rasend schneller Geschwindigkeit. Wo bleibt ein gut gemachter Erzählfilm oder eine fantastische Dokumentation nach dem Festival? In einer Welt, in der Unterhaltung im Allgemeinen und Film- und Fernsehproduktionen im Besonderen ständig, 24 Stunden am Tag, multimedial möglich ist, haben diese Produktionen kaum eine weitere Chance auf Beachtung. "Bärenhoffnungen", wie Doris Dörrie und andere Wunderkinder des deutschen Kinos werden medial zelebriert, finden aber nur bei einem vergleichsweise winzigen Teil des Publikums, vor allem Fernsehpublikums Anklang. Die Einschaltquoten der "Berlinale"-Sendungen beweisen einen Drang zum Wegzappen, wenn nicht gerade Starglitzer, a la Madonna verbreitet wird. Das ist nicht ungewöhnlich. Auch Festivals wie in Cannes oder Venedig finden ihr weltweites Medieninteresse vor allem durch die Ansammlung der Stars und Papparazzis, längst aber nicht durch die Qualität der gezeigten Filme. Die "Berlinale" hat dies erkannt und aufgerüstet. Alte Leidenszeiten, als der künstlerische Film im Vordergrund stand und die "Glamourlosigkeit" im tristen Berliner Februar der 70er und 80er fast zum Absterben des Festivals führten sind überwunden. Nun aber scheint sich die Waage in Richtung des anderen Extrems zu bewegen. Weil alles mit allem zusammen hängt: Filme, Stars, Fernsehen, Jahrmarkt der Eitelkeiten und der Filmfördermillionen. Da bleibe ich lieber ein geneigter Beobachter am Fernseher.
Ach ja, einen Gruß sende ich der ZDF-Nachrichtenmoderatorin Kay-Sölve Richter. Sie sagte in einer Sendung zum neuen Madonna-Film, der auf der "Berlinale" gezeigt wird: "Mehrfach wurde sie schon als schlechteste Schauspielerin ausgezeichnet, vielleicht ist ihre erste Regiearbeit ja besser." Eine wunderbare Respektlosigkeit, die auch das Ereignis "Berlinale" ein bisschen vom selbstgebastelten Olymp holt. Gut so.

1 Kommentar 13.2.08 12:15, kommentieren

Germany - some Points? Fünfe wollen nach Belgrad

Schlagerfreunde, wir müssen wieder "Aufrecht geh´n"! Denn "Wunder gibt es immer wieder" und wir Fans wissen: "Ein Lied kann eine Brücke sein." Jubelnd und mit "Rücksicht" werden wir auch 2008 in Belgrad das "Theater" des Eurovision Song Contest (Grand Prix) bestaunen, das nur gewinnt, "Wer Liebe lebt". Doch "Träume sind für alle da" und so singen zunächst die fünf deutschen Aspiranten für den Wettbewerb, natürlich "Für alle", aber zunächst im Vorentscheid, am 6. März in Hamburg. Die Songs, die "Flieger" oder auch "Ein Hoch der Liebe" sein dürfen, kennen nur eine Regel: alle haben höchstens drei Minuten "Zeit", sonst setzt es "Feuer". Die Interpreten 08 könnten ein spannendes, musikalisches Spektrum umfassen. Namen wie die No Angels oder Marquess wollen "Diese Welt" erobern. Aber mit welchem Material ? Leider bieten ihre Lieder fast ausschließlich Pop-Einfalt. "Viel zu weit" entfernt von Überraschendem und "No No Never" genug, um im Kreisch- und Kostümkarneval der Eurovision- Show aufzufallen. Aber "Laß die Sonne in Dein Herz" und schau mit mir und "Ein bisschen Frieden" auf die Kandidaten:

No Angels - wahrscheinlich ist es der inzwischen zehnte Comeback-Versuch der vier Damen um "Lady Lucy". Nur diesmal wird es wohl bemerkt werden. Ihr Song: "Disappear" ist poppig, "No-Angel"-Ware wie seit Jahren und ohne Höhen und Tiefen. Nett, aber unauffällig. Ein "Sing Sang Song" (Platz 15, 1976).

Marquess - spanischsprachige Musik aus Hannover. Eigentlich eine schöne Idee, international und sehr "Wir feiern ne Party"-geeignet. Doch auch "La Histeria" klingt wie "Vayamos Companeros", der erste Gitarrenschredder-Hit der Gruppe. Immerhin aber würde sich Europa die Augen reiben, dass solch "Sommermelodie" (letzter Platz, 1974) aus Germany kommt.

Tommy Reeve - ein junger Münchener mit Piano und Soul in der Stimme. "Just One Woman" könnte auch von Papa Thomas Anders kommen, sehr schmusig, sehr unnötig. Leider ein Lied, das "Die Zeiger der Uhr" (10. Platz, 1966) nicht schneller bewegt, wohl kaum mit Chance auf einen Treppchenplatz.

Carolin Fortenbacher - will "Hinterm Ozean" nachsehen, ob eine Ballade mit Bombastschluss europaweit reüssieren kann. Zwar strahlt die junge Dame einige Erfahrung als "ABBA"-Musical-Sängerin aus, doch mag ich jetzt keine Verbindung zum ewigen GP-Klassiker "Waterloo" (1. Platz, 1974) ziehen. Das wäre billig.

Cinema Bizarre - das Tokio Hotel für Schlagerfans. Etwas schräg, etwas überphrasiert, mir kam "Run and Hide" (letzter Platz, 2005) in den Sinn. Und doch ist das Liedchen sicher ganz richtig, um junges Publikum vor den Fernseher zu locken.

Schließlich muss auch in Hamburg der Zuschauer wieder heftig telefonieren, bis ein Sieger/In gefunden ist. Dann gehts nach Belgrad am dritten Mai-Wochenende und ganz Deutschland "Can´t Wait Until Tonight", um die Show zu sehen, die eigenartigen Kostüme und Tanzeinlagen, die uns sicher wieder ein "Wadde Hadde Dudde Da" entlocken - in ihrer schrägen, mutmaßlich osteuropäischen Pracht. Vielleicht gewinnen "Zwei kleine Italiener" oder eine "Primaballerina", am schönsten aber wäre es doch, "Germany Twelfe Points" zu hören und zu summen: "Sing mit mir, ein kleines Lied...". Ja, "Dieser Traum darf niemals sterben"!

2 Kommentare 31.1.08 12:16, kommentieren

Ross und der Ekel - was wird aus den Dschungel"stars"?

Am Ende hatte der neue Dschungelkönig, Ex-Brosis-Sänger Ross Anthony auch noch einen Krokodilpenis verspeist und mehrere Erdwürmer vertilgt. Er kaute sich durch Känguruanus und musste dafür ein Schnitzel mit Pommes verschmähen. Ja, die RTL-Dschungelshow lief noch einmal zur vollen Ekelhaftigkeit auf, wobei sich der Magen des in 16 Tagen gestählten Zuschauers wohl kaum noch bei den angebotenen "Köstlichkeiten" umzudrehen vermochte. Eher noch über die Bösartigkeit der Macher, einem ausgelaugten Dschungelthronaspiraten wie "Rossi" zum Urwald-Kompott allen Ernstes glänzende Gummibärchen als Alternative vorzusetzen. Doch der Brite hatte die erste Regel des "Ich bin ein Star..."-Abenteuers am Besten von allen Teilnehmern begriffen: für die Show geht alles! Und - bloß nicht langweilen! 16 Tage im Harmoniecamp, da musste noch etwas kommen. So zeigte sich in der letzten Sendung letztmals das wahre Gesicht eines Fernsehphänomens, das von gezielter Erniedrigung der Kandidaten lebt, das die menschliche Würde durch krudeste "Dschungelprüfungen" verletzt und - nicht zu vergessen - erst durch die herzlich ausgeübte Boshaftigkeit des Moderatorenduos Bach/Zietlow zum Quotenerfolg wurde. Trotz aller fehlenden Reibereien, allen Zusammenhalts und aller gelebten Bata-Illic-"Charmonie" bei den Campbewohnern. Soviel Erfolg war nicht abzusehen, denn die meisten der 10 "Stars" hatten ihre Karrieren bereits lange hinter oder nie vor sich. Mit anderen Worten: sie hatten kaum etwas zu verlieren. So gab es Bilder, die die TV-Macher erträumt haben dürften: vom Nacktbader-DJ bis zu den "Wassernixen" Isabel und Michaela.
Was wird nun aus ihnen? Man darf spekulieren:
Etwa noch eine Woche lang werden die Dschungelbewohner durch alle möglichen und unmöglichen Formate bei RTL gereicht, ausser jener DJ natürlich, bei dem man nicht weiß, ob er zu unpassender Zeit den rechten Arm hebt. Und dann? Was macht nun Lisa Bund, die ja schon festgestellt hatte, dass ihr Gesang nicht zur großen Karriere führte, wenn sie feststellt, dass dies der Dschungelaufenthalt auch nicht ändert? Wo wird sich Barbara Herzsprung wiederfinden, die mit der Dschungelgage immerhin wohl ein Yoga-Studio aufmachen könnte? Oder Eike Immel? Lockt doch ein Plattenvertrag für den Sangesfreudigen und Auftritte bei Apres-Ski-Shows auf RTL 2? Hat die Mühe dann gelohnt?
Wie, Sie lachen? Man wird doch fragen dürfen!
Was kann sich Ross Anthony von seinem Titel "kaufen"? Eine neue Popband wohl kaum und Berühmtheit auch nur ähnlich lange, wie sie all den Stars des Kommerzfernsehens zuteil wird, die sich durch Castingsshows und Dschungelexperimente schleppen. Sie sind nunmehr Teil einer Fernsehmaschine 2008, die immer neues Futter für ihre Klatsch- und Tratschsendungen braucht - was für eine Karriere! Dennoch sei gesagt, dass mit dem schwulen "Rossi" jemand gewonnen hat, der alle seelischen Höhen und Tiefen des zweiwöchigen Dschungelknastes mit "Zwangsarbeit" durchlebt und für den Zuschauer nachvollziehbar durchlitten hat. Einer, der sich am stärksten zeigte, wenn er vermeintlich am Schwächsten war und der es schaffte, sich selbst zu überwinden und dabei über sich selbst zu lachen. Auch die alberne Dschungelkrone, die Mr. Anthony am Schluss aufgesetzt wurde, trug er noch mit strahlender Würde. Wie gesagt: der Brite hatte die Regel Nr.1 der Show am besten begriffen. Soll man gratulieren? Aber ja!

1 Kommentar 27.1.08 00:43, kommentieren