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Von Leder und Gummis - Berlin feiert FOLSOM und Reminders-Day

Nein, an dieses Bild ist selbst manch abgehärteter Berliner nicht gewöhnt. Auf der Fuggerstrasse und drumherum stehen mindestens 2- 3000 Männer in teilweisen oder kompletten Lederoutfits. Sie tragen Latexshirts und Hosen, Uniformen und auch nichts über der rückwärtigen Körperseite, wieder andere werden an Halsbändern und Ketten gelegt, durch die Menge geführt und ganz wenige zeigen nicht nur Mut zur Maske, sondern sogar zur organisierten Atemnot. Ja, das will selbst der abgehärtetste Berliner nicht alle Tage sehen, fürchte ich. Eine ganze Strasse, die für Jugendliche unter 18 gesperrt gehört, mit Ständen von den Biker-Freunden oder den SM-Jungs, inklusive Fotoschau und natürlich dem notwendigen "Handwerkszeug", sprich Riemen, Peitschen usw. Die Zusammenkunft der Fetisch-Freunde ist zu einem zweiten Strassenfest in Schöneberg geworden, denn auch in diesem Jahr kamen zum FOLSOM mehr Besucher als in den Jahren zuvor. Das Wort FOLSOM kommt, wie die Veranstaltung auch, aus Amerika und versammelt Männer aller Alterklassen, Schönheitsideale und eben Fetischneigungen an einem Ort zum Quatschen, Feiern und ... ja genau. Das Treffen könnte völlig unbehelligt von der Allgemeinheit ablaufen, wenn es nicht in jedem Jahr Aufregung in der "BZ" und anderen Moralblättern geben würde. Ziel ist immer gern der Regierende Berliner Klaus Wowereit, der die Fetischfreunde auch in diesem Jahr mit einem höchst toleranten Grusswort in der Stadt willkommen hieß. Die Diskussion um diese Art der Zurschaustellung von Sexualität und Neigungen, von Gemeinsinn im Speziellen mag für Berlin eine Bereicherung sein, für die Menschen vor Ort ist es einfach nur Spaß am Rollenspiel. Manch einer von den "harten Kerlen" ist nämlich auch nur ein ganz Lieber und - das sieht das Bloggerauge dann schon - lebt hier die Umsetzung des Mottos: Zusammen ist man weniger allein. Die Veranstalter sind zufrieden und werden in diesem Jahr sicher wieder Einiges an Spenden für die AIDS-Hilfe zusammen getragen haben. Auch das ist Ziel beim FOLSOM - aufmerksam machen auf das Thema, das immer stärker aus dem öffentlichen und privaten Bewusstsein verdrängt wird - der Schutz vor HIV und AIDS.

Vergessen in ansteckend - Schlange stehen auch

Ganz in diesem Sinne aßen sich etwa 2000 Gäste beim diesjährigen Reminders-Day im Berliner Roten Rathaus durch. Bei einem Galadiner, gezaubert von Starkoch Markus Semmler und nur für Besitzer eines goldenen Armbändchens wurde wohl der Hauptteil der Abendeinnahmen bestritten. Der Einzelplatz am Gourmetvergnügen soll 400 Euro gekostet haben. Geschäftsleute und Partner der AIDS-Hilfe, Schwerpunktärzte und AktivistInnen ließen es sich gut gehen. Währenddessen tobte draussen, in den Foyers das Rathauses der Kampf um jedes kleine Stück Fleisch, Pasta und Dessert vom Bufett. Menschen drängelten, schlängelten und fluchten, weil sich Warteschlangen bildeten, die an die Verteilung von Südfrüchten zu DDR-Zeiten erinnerten. Als dann auch noch die Teller ausgingen, kippte die Stimmung in manchem zuvor feierlaunig strahlendem Gesicht. Die Show zur Gala wurde zauberhaft präsentiert von Jessica Witte-Winter, seriös und charmant in einem schwarzen Abendkleid und Georg Uecker, der Allzweckwaffe für Unterhaltung und Dampfplauderei - in einem schmalen, roten Seidenanzug. Ein Preis wurde auch verliehen. Rita Süßmuth durfte sich über den Red-Award freuen und forderte Politiker und Anwesende auf, mehr für die Belange von Menschen mit HIV und AIDS zu tun. "Rita, wat kosten die Kondome!" - ich wollte es rufen - habe es aber gelassen. Chapeau.
Stargast des Abends: Roger Cicero, der seine Songs mit der gleichen Intensität verswingte, wie auch schon beim Grand Prix in Helsinki. Sehr professionell und ein bisschen - hach - langweilig. Nicht gesehen: Klaus Wowereit, der noch in Japan weilte und dessen Abwesenheit als Schirm- und Hausherr manchen Gast schmerzte. Dafür zeigte der Zigarettenkonzern B.A.T (British-American-Tobacco) welche großartigen Initiativen zur Bekämpfung von HIV und AIDS ausgerechnet der Tabakriese in Afrika leistet. Neben der "Dunhill-Lounge" mit Zigaretten von der Stange und Zigarren aus edlen Humidoren wies der Schmauch- und Rauchkonzern auf Folgendes hin: Wußten Sie... das B.A.T. seinen Mitarbeiter und deren Familienangehörigen in Südafrika die antiretrovirale Therapie (sprich: HIV-Medikamente d.V.) kostenlos zur Verfügung stellt ? Nein, wusste ich nicht. Und ich weiß auch nicht, wie ich diese Art der Werbung für einen Konzern und seine nachgewiesenermaßen gesundheitsgefährlichen Produkte finden soll. Ach ja, Promis waren auch da. Gesehen wurden: Starvisagist Rene Koch (blieb nur kurz), Francis Winter (strahlend wie immer), Barbara Schöne (mit ständig offenem Mund), Claus Vincon (mit neuer Haarfarbe?), Barbara Becker (ach ja...) und Reiner Meifert (war mal Seriendarsteller). Ein schöner, ein lauter, ein bunter Abend, dessen Ziel, viel Geld im Kampf gegen HIV und AIDS zu sammeln hoffentlich erreicht wurde.

1 Kommentar 2.9.07 13:45, kommentieren