LEBEN

USA: Der Schatten alter Zeiten - Schwule und Lesben verlieren im Siegestaumel

Ja, er kann. Ja, nun muss er auch. Nicht nur die Mehrheit der amerikanischen Wähler, sondern irgendwie die ganze Welt hat Barack Obama gewählt. Unendlicher Jubel überall und geradezu übermenschliche Erwartungen an einen Mann, der sehr genau weiß, dass er seinen Triumph vielen Bevölkerungsschichten zu verdanken hat. Bei seiner Siegesrede in der Wahlnacht von Chicago nannte er sie - ausdrücklich auch die Lesben und Schwulen in den USA. Gays and Lesbians wählten Obama, dürften aber den 4. November 2008 nicht nur als Auftakt einer neuen Ära in ihrem Land empfinden, sondern auch als Tag herber Rückschläge. Kalifornien, der bevölkerungsreichste und ur-demokratische Bundesstaat (55 Wahlmänner) stimmte nicht nur für Obama, sondern auch gegen das Recht auf Eheschließung für Schwule und Lesben. In einem Volksentscheid sprach sich eine knappe Mehrheit (52 % gegen 48 %) gegen einen Verfassungszusatz aus, der homosexuelle Ehen erlaubte. Schon mehr als 10000 Paare hatten von diesem Recht Gebrauch gemacht und "Yes, I do" gesagt. Das Oberste Gericht von Kalifornien hatte erst vor wenigen Monaten den Weg für die sogenannte "Homo-Ehe" freigemacht. Im Mai 2008 kippte es das Ergebnis einer ähnlichen Volksabstimmung aus dem Jahr 2000, bei der sich damals 61 Prozent der Kalifornier gegen gleichgeschlechtliche Eheschließungen ausgesprochen hatten. Nach Massachusetts konnten Homosexuelle auch im Schwarzenegger-Staat heiraten - mit gleichen Rechten und Pflichten wie Männer und Frauen. Nun dieses Ergebnis, das bereits geschlossene Ehen zwar nicht ungültig machen soll, wie es heißt (was aber umstritten ist), das aber künftige "Marriages" zunächst verhindern dürfte. Auch wenn viele Aktivisten bereits Verfassungsklagen ankündigten und sich nicht zuletzt San Franciscos Bürgermeister deutlich für seine "queeren" Mitbürger aussprach.

Doch der 4. November war nicht nur für die Queer-Community in Kalifornien herb. Auch in Arizona und Florida waren die Gegner schwuler und lesbischer Ehen bei ähnlichen Referenden für die Verankerung von Verboten erfolgreich. Aktivisten mussten auch in Arkansas eine Niederlage einstecken: Dort dürfen unverheiratete Paare künftig keine Kinder adoptieren oder in Pflege nehmen. Das Gesetz zielte ausdrücklich auf Schwule und Lesben ab.

Das "Yes, we can", das wir also in der Wahlnacht hörten, markierte einen Aufbruch, eine Bewegung, ist aber noch lange nicht der Wechsel ("Change") zu einer Gesellschaft ganz ohne Vorurteile und mit echter Gleichstellung in den USA. Es gibt wirklich viel zu tun für Barack Obama.

1 Kommentar 8.11.08 23:12, kommentieren

Ibiza - Highlights und Trends 08

Ein bisschen jammern - das moegen wir Deutschen ja besonders gern. Egal, ob das Hotelzimmer nicht die versprochene Seitenaussicht zum Meer, sondern eben nur auf eine Baustelle hat oder das Bufett jeden Morgen und Abend das gleiche, pappige Angebot kredenzt oder das Brot zu trocken, zu hart, zu weich, zu wenig Vollkorn oder einfach nur "graesslich" ist - wir sind immer am Schimpfen. So gesehen und gehoert, mitten in der Calle de la Virgen, jener "Jungfrauenallee" in Ibiza-Stadt (Eivissa), direkt unter der Festung und dem Weltkulturerbe Dalt Vila. Hier sitzen sie, die muerrischen Herren aus Deutschland, nippen am Pilsener und erinnern sich besserer Zeiten, als alles noch proppevoll, "sexyer" (was fuer ein Wort) und mit mehr "Flirt-Faktor" abging. Die zum Vorjahr erneut gestiegenen Preise in manchen Kneipen und beim Eintritt in die einzige Gaydisco der Insel, das "Anfora" (bis 2 Uhr jetzt 12 EUR/danach 17 (!) EUR incl. eines Getraenks) werden bemeckert und - dass es am "Chiringay", dem wohl schoensten Strand der Insel nur noch Pappbecher, statt Glaskaraffen gibt. Es ist ein Niedergang, ja ja und eigentlich muesste man ja spaetestens im kommenden Jahr endlich woanders hin.
Mykonos wurde in die Debatte geworfen und was kam? Ein "bloss nicht..." von einem netten Hamburger, der gerade von der Griechen-Insel "geflohen" war. Da sei alles noch teurer, noch mehr Nepp, noch weniger Service und nur die Maenner - na ja, die seien schon irgendwie netter, was aber Geschmackssache sei. Mykonos koenne er jedenfalls nicht empfehlen.
Also Sitges mit seinen Hochhaeusern? Oder Benidorm? Oder doch das "Yumbo" auf Gran Can? Wenn das kein Thema zum Diskutieren ist !!
Wie sind denn all die "Gay"-Ziele in Eurer Bewertung, liebe Blog-Leser und Shape-Hoerer?
Wo muss Mann hin und was kannste jetrost vergessen?
Schreibt mir Eure Kommentare!
Ich nehme sie mit an den deutschen Stammtisch bei der wunderbaren und einzigartig herzlichen Berlinerin Brigitte im "Exis" auf der Calle de la Virgen oder ins "Angelo", dem Klassiker-Treffpunkt vor dem Gang in die Diskotheken Ibizas. Also ran an die Tasten!

Ich werde mir heute uebrigens TIESTO goennen - jawoll. Der hollaendische DJ-Star legt in diesem Sommer erstmals und exklusiv montags im "Privilege" auf - sage niemand, es gebe nichts Neues auf Ibiza ... ach ja, Paul van Dyk, Armin van Buuren, Alex Gold, Hed Kandi und all die anderen Stars sind wieder da. Puh, Ibiza ist doch noch Ibiza!

2 Kommentare 14.7.08 20:22, kommentieren

Ibiza - Insel in der Midlife-Crisis?

Ibiza - die Insel der unendlichen Naechte will mehr Ruhe. Kaum zu glauben, aber wahr: seit die neue Inselregierung Ernst macht mit ihrem Plan aus der "Isla Blanca" ein zweites Edel-Mallorca zu machen, haben die Naechte Enden. Punkt sechs Uhr hat Stille zu herrschen auf dem Eiland. Vorbei die Zeiten der "Afterhours", wie die Partys nach den Partys genannt wurden. Eine regelrechte Inselkultur - Durchtanzen bis zum Mittag - findet ins Bett. Ibiza, so der Plan, soll erwachsen werden. Die Folgen sind zuweilen komisch. So bewirbt der Riesenclub "Space" nunmehr seine beruehmte "Matinee", die bislang in den fruehen Sonntagmorgen-Stunden im Sand vor Plaja de en Bossa stattfand, als Abendparty. Beginn - Achtung - um 18 Uhr, dann die Nacht durch bis 6 Uhr morgens eben. Rasend gelbe Baendchen werden verteilt, die bis 20 Uhr freien Eintritt versprechen. Das wird der geuebte Ibiza-Space-Abtaenzer erst noch verkraften muessen.

Ueberhaupt scheint der Zauber frueherer Jahre eher wieder im Privaten aufzuleben. Die Zeiten der riesigen Raves und Mega-Partys ist nicht vorbei, aber es ist doch alles etwas verhaltener geworden. Das Inselmagazin "Ibiza heute" schreibt von einer Midlife-Crises der Insel. Nun ja - die Partyflieger, vor allem aus England, donnern weiter tagsueber im 5 Minuten-Takt Richtung Miniairport und am Wochenende fuellen sich Gassen und Hafenkai noch mit froehlichen Menschen, kreischenden Kostuemierten, die fuer die Partys in den Riesenclubs werben und manch ueberstylter Erscheinung. Der letzte Schrei: junge Russinnen tragen weisse Muetzen der Schwarzmeerflotte und lassen den Champagner sicher nicht warm werden. (www.ibiza.ru) An den Wochentagen hingegen schliessen Boutiquen fuer Ibiza-Verhaeltnisse erstaunlich frueh - manche schon kurz nach Mitternacht. Grund: das Gewimmel bleibt aus.

An den Straenden ein ebenso ruhiges, sehr gelassenes Bild. Am "Es Cavallet", dem Strand fuer Natur- und Mannsbild-Liebhaber pocht die Musik nicht mehr allzu laut aus den Boxen des "Chiringay", jenes fast schon legendaeren Strandrestaurants mit dem schoensten Meer- und Kerleblick der Insel. Das "Umpf-Umpf" darf nur noch gedaempft wummern - fordert die Inselregierung. Sogar ueber einen moeglichen Abriss des Strandasyls wird gemunkelt, denn das "Chiringay" steht am Rande der naturgescheutzten Duenen - und die sollen kuenftig nicht mehr nur zerlatscht, sondern gepflegt werden. (Inselregierung)

Die Sonne versoehnt letztlich mit allem, was sich so geaendert hat - von einem Jahr zum anderen. Die weissen Straende, das kristallklare Meerwasser (bislang nur mit einigen wenigen Malle-Quallen), die vielen neuen Partyideen, eben nicht nur der grossen, inzwischen tatsaechlich etwas in die Jahre gekommenen Clubs - das alles macht Ibiza auch in 2008 zur "Isla Bonita". Wenn auch die Schminke nicht mehr ganz so grell scheint und das Midlife fuer das Eiland nun wohl endgueltig begonnen hat.

1 Kommentar 13.7.08 13:58, kommentieren

Kuschel, kuschel, kuschel - ein Hase ist Nummer 1 der deutschen Hitparade

Mal ehrlich: wer braucht noch Superstars? Warum tun sich junge Leute die Kritiken von Dieter Bohlen, dem Hohepriester des Seichten, noch an? Es geht doch alles viel einfacher. Man nehme einen computeranimierten Hasen mit großen Kulleraugen und einer Möhre in der Pfote, füge eine quietschende Computerstimme hinzu und - jetzt kommt das Entscheidende! - sende das Ganze mit massiver Aufdringlichkeit in Werbespots für Handy-Klingeltöne. Fertig ist die neue Nummer Eins der deutschen Musikhitliste. Dieter, Sie können nach Hause geh´n!

"Kuschel, kuschel, kuschel, kuschel.
Bist mein kleiner, süßer Schnuffel.
Bist mein kleiner, süßer Stern -
hab dich zum Kuscheln gern."

Gegen die Liedzeile des "Kuschelsongs" war Modern Talking Hochkultur. Und vielleicht ist der Computerhase ja der legitime Nachfolger der "Cheri, Cheri Lady". Doofheiten in der Popmusik gab es nämlich immer. Sie spülten Talente, Spinner, Trendsetter und manchmal sogar spätere Weltstars an die Spitze der Beliebtheit beim Publikum, ließen sie mehr oder weniger lange Zeit glänzen oder schon bald wieder abstürzen. Beim Hasen aus dem Computer ist dies anders. Hier rühmt sich der "Jamba"-Konzern, der weltweit größte Anbieter von Handy-Schnick-Schnack wie Klingeltöne, Wallpapers, Spiele und Freizeichen einer "hauseigenen Kreation", die ein echtes Reißbrettprodukt ist. Es reiht sich ein in die Kette solcher Elaborate wie "der besoffene Elch" oder "der bekloppte Frosch". 2005 sorgte der "Crazy Frog" in England für Furore. Das Motorrad fahrende Amphibium verdrängte damals die Edelpopper von Coldplay von Platz 1 der Hitparaden und wurde der erste Klingelton der Welt, der es an die Spitze der Verkaufscharts geschafft hatte. Ein zweifelhafter Meilenstein für die Musikindustrie, ein Megaerfolg aber für den "Jamba"-Konzern, der in Großbritannien als "Jamster" firmiert. Mit dem im Fernsehen massiv beworbenen Frosch nämlich verkaufte das Unternehmen die Abonnements für weitere Handy-Dienstleistungen gleich mit und machte kräftig Kasse. Viele der Kinder und Jugendlichen wurden plötzlich zu Kunden, ohne genaue Ahnung, dass sie mit dem Herunterladen des Frosches einen Zugang zu ihrem Geldbeutel gelegt hatten. Ob auf der Telefonrechnung oder und schwieriger nachzuvollziehen über ihre Handy-Prepaid-Karte. In 338 Fällen, so berichtet Wikipedia, sollen Schadenersatzansprüche zugesprochen worden sein, da die Hinweise auf die Abos in der britischen Fernsehwerbung zu klein und zu kurz auftauchten. Auch in Deutschland gibt es Spielverderber, wie Verbraucherschützer und Medienkontrolleure, die "Jamba" deshalb immer wieder im Visier haben.

Doch das Unternehmen hat eine enorme Größe erreicht. Im Jahr 2000 von drei Brüdern gegründet, beschäftigt der Konzern heute 600 Mitarbeiter. Australiens Medienmogul Rupert Murdoch kaufte sich 2006 ein und verknüpft "Jamba" mit seinen Internetplattformen, wie MySpace.com mit ungeahnten Synergien, die der Dingeling-Anbieter clever nutzt. "Jeder Werbespot, den wir im deutschen Fernsehen schalten, refinanziert sich innerhalb von Minuten", sagte mir einmal ein "Jamba"-Mitarbeiter. Der Euro rollt, sobald der "Kuschelhase" auf dem Bildschirm auftaucht. Und er taucht auf - in massiver Aufdringlichkeit.
Auf Musikkänälen wie MTV und VIVA vergeht tagsüber kaum ein Werbeblock ohne kreischbunte und extra hektisch geschnittene Klingeltonwerbung. Zwischendurch, wie zur Erholung, taucht dann der "Kuschelhase" auf, schaut treuherzig in die nächtliche Hemisphäre und quietscht sein Liedchen, das übrigens von einer studentischen Mitarbeiterin bei "Jamba" eingesungen worden sein soll. Soviel Gefüüühl lockt offenbar, verführt Kinder, Jugendliche und alle, die so etwas für Romantik halten. Längst hat "Jamba" einen eigenen Fernsehkanal auf dem Satelliten Astra. Längst ist Nachschub in Planung, für die Mobiltelefone dieser Welt.

Doch was sagt die neue Nummer 1 der deutschen Hitparaden über uns aus? Wenn Musik immer auch der Spiegel ihrer Zeit ist, dann kommt das Bedürfnis nach Nähe und "Kuschel"-Harmonie aus dem Computer wohl nicht ohne einen Blick in die Lebenswirklichkeit der Konsumenten aus. "Jamba" kennt seine Kunden sehr gut und setzt zielgerichtet auf die Sehnsucht, nicht nur von Teenagern nach Romantik, Putzigkeit und Vergessen des Alltags. Es wäre interessant, genauer zu erforschen, ob die mangelnde Teilhabe einzelner Schichten am Aufschwung, die Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher und die Unübersichtlichkeit des Lebens in der gloablisierten Welt zum Kauf von computeranimierten Hasen-Klingeltönen führt. Oder nähme man das Phänomen damit zu ernst? Vielleicht. Wo sind die Soziologen, wenn man sie braucht? Dieter Bohlen immerhin kann wohl einpacken.

1 Kommentar 22.2.08 11:54, kommentieren

Germany - some Points? Fünfe wollen nach Belgrad

Schlagerfreunde, wir müssen wieder "Aufrecht geh´n"! Denn "Wunder gibt es immer wieder" und wir Fans wissen: "Ein Lied kann eine Brücke sein." Jubelnd und mit "Rücksicht" werden wir auch 2008 in Belgrad das "Theater" des Eurovision Song Contest (Grand Prix) bestaunen, das nur gewinnt, "Wer Liebe lebt". Doch "Träume sind für alle da" und so singen zunächst die fünf deutschen Aspiranten für den Wettbewerb, natürlich "Für alle", aber zunächst im Vorentscheid, am 6. März in Hamburg. Die Songs, die "Flieger" oder auch "Ein Hoch der Liebe" sein dürfen, kennen nur eine Regel: alle haben höchstens drei Minuten "Zeit", sonst setzt es "Feuer". Die Interpreten 08 könnten ein spannendes, musikalisches Spektrum umfassen. Namen wie die No Angels oder Marquess wollen "Diese Welt" erobern. Aber mit welchem Material ? Leider bieten ihre Lieder fast ausschließlich Pop-Einfalt. "Viel zu weit" entfernt von Überraschendem und "No No Never" genug, um im Kreisch- und Kostümkarneval der Eurovision- Show aufzufallen. Aber "Laß die Sonne in Dein Herz" und schau mit mir und "Ein bisschen Frieden" auf die Kandidaten:

No Angels - wahrscheinlich ist es der inzwischen zehnte Comeback-Versuch der vier Damen um "Lady Lucy". Nur diesmal wird es wohl bemerkt werden. Ihr Song: "Disappear" ist poppig, "No-Angel"-Ware wie seit Jahren und ohne Höhen und Tiefen. Nett, aber unauffällig. Ein "Sing Sang Song" (Platz 15, 1976).

Marquess - spanischsprachige Musik aus Hannover. Eigentlich eine schöne Idee, international und sehr "Wir feiern ne Party"-geeignet. Doch auch "La Histeria" klingt wie "Vayamos Companeros", der erste Gitarrenschredder-Hit der Gruppe. Immerhin aber würde sich Europa die Augen reiben, dass solch "Sommermelodie" (letzter Platz, 1974) aus Germany kommt.

Tommy Reeve - ein junger Münchener mit Piano und Soul in der Stimme. "Just One Woman" könnte auch von Papa Thomas Anders kommen, sehr schmusig, sehr unnötig. Leider ein Lied, das "Die Zeiger der Uhr" (10. Platz, 1966) nicht schneller bewegt, wohl kaum mit Chance auf einen Treppchenplatz.

Carolin Fortenbacher - will "Hinterm Ozean" nachsehen, ob eine Ballade mit Bombastschluss europaweit reüssieren kann. Zwar strahlt die junge Dame einige Erfahrung als "ABBA"-Musical-Sängerin aus, doch mag ich jetzt keine Verbindung zum ewigen GP-Klassiker "Waterloo" (1. Platz, 1974) ziehen. Das wäre billig.

Cinema Bizarre - das Tokio Hotel für Schlagerfans. Etwas schräg, etwas überphrasiert, mir kam "Run and Hide" (letzter Platz, 2005) in den Sinn. Und doch ist das Liedchen sicher ganz richtig, um junges Publikum vor den Fernseher zu locken.

Schließlich muss auch in Hamburg der Zuschauer wieder heftig telefonieren, bis ein Sieger/In gefunden ist. Dann gehts nach Belgrad am dritten Mai-Wochenende und ganz Deutschland "Can´t Wait Until Tonight", um die Show zu sehen, die eigenartigen Kostüme und Tanzeinlagen, die uns sicher wieder ein "Wadde Hadde Dudde Da" entlocken - in ihrer schrägen, mutmaßlich osteuropäischen Pracht. Vielleicht gewinnen "Zwei kleine Italiener" oder eine "Primaballerina", am schönsten aber wäre es doch, "Germany Twelfe Points" zu hören und zu summen: "Sing mit mir, ein kleines Lied...". Ja, "Dieser Traum darf niemals sterben"!

2 Kommentare 31.1.08 12:16, kommentieren

Ross und der Ekel - was wird aus den Dschungel"stars"?

Am Ende hatte der neue Dschungelkönig, Ex-Brosis-Sänger Ross Anthony auch noch einen Krokodilpenis verspeist und mehrere Erdwürmer vertilgt. Er kaute sich durch Känguruanus und musste dafür ein Schnitzel mit Pommes verschmähen. Ja, die RTL-Dschungelshow lief noch einmal zur vollen Ekelhaftigkeit auf, wobei sich der Magen des in 16 Tagen gestählten Zuschauers wohl kaum noch bei den angebotenen "Köstlichkeiten" umzudrehen vermochte. Eher noch über die Bösartigkeit der Macher, einem ausgelaugten Dschungelthronaspiraten wie "Rossi" zum Urwald-Kompott allen Ernstes glänzende Gummibärchen als Alternative vorzusetzen. Doch der Brite hatte die erste Regel des "Ich bin ein Star..."-Abenteuers am Besten von allen Teilnehmern begriffen: für die Show geht alles! Und - bloß nicht langweilen! 16 Tage im Harmoniecamp, da musste noch etwas kommen. So zeigte sich in der letzten Sendung letztmals das wahre Gesicht eines Fernsehphänomens, das von gezielter Erniedrigung der Kandidaten lebt, das die menschliche Würde durch krudeste "Dschungelprüfungen" verletzt und - nicht zu vergessen - erst durch die herzlich ausgeübte Boshaftigkeit des Moderatorenduos Bach/Zietlow zum Quotenerfolg wurde. Trotz aller fehlenden Reibereien, allen Zusammenhalts und aller gelebten Bata-Illic-"Charmonie" bei den Campbewohnern. Soviel Erfolg war nicht abzusehen, denn die meisten der 10 "Stars" hatten ihre Karrieren bereits lange hinter oder nie vor sich. Mit anderen Worten: sie hatten kaum etwas zu verlieren. So gab es Bilder, die die TV-Macher erträumt haben dürften: vom Nacktbader-DJ bis zu den "Wassernixen" Isabel und Michaela.
Was wird nun aus ihnen? Man darf spekulieren:
Etwa noch eine Woche lang werden die Dschungelbewohner durch alle möglichen und unmöglichen Formate bei RTL gereicht, ausser jener DJ natürlich, bei dem man nicht weiß, ob er zu unpassender Zeit den rechten Arm hebt. Und dann? Was macht nun Lisa Bund, die ja schon festgestellt hatte, dass ihr Gesang nicht zur großen Karriere führte, wenn sie feststellt, dass dies der Dschungelaufenthalt auch nicht ändert? Wo wird sich Barbara Herzsprung wiederfinden, die mit der Dschungelgage immerhin wohl ein Yoga-Studio aufmachen könnte? Oder Eike Immel? Lockt doch ein Plattenvertrag für den Sangesfreudigen und Auftritte bei Apres-Ski-Shows auf RTL 2? Hat die Mühe dann gelohnt?
Wie, Sie lachen? Man wird doch fragen dürfen!
Was kann sich Ross Anthony von seinem Titel "kaufen"? Eine neue Popband wohl kaum und Berühmtheit auch nur ähnlich lange, wie sie all den Stars des Kommerzfernsehens zuteil wird, die sich durch Castingsshows und Dschungelexperimente schleppen. Sie sind nunmehr Teil einer Fernsehmaschine 2008, die immer neues Futter für ihre Klatsch- und Tratschsendungen braucht - was für eine Karriere! Dennoch sei gesagt, dass mit dem schwulen "Rossi" jemand gewonnen hat, der alle seelischen Höhen und Tiefen des zweiwöchigen Dschungelknastes mit "Zwangsarbeit" durchlebt und für den Zuschauer nachvollziehbar durchlitten hat. Einer, der sich am stärksten zeigte, wenn er vermeintlich am Schwächsten war und der es schaffte, sich selbst zu überwinden und dabei über sich selbst zu lachen. Auch die alberne Dschungelkrone, die Mr. Anthony am Schluss aufgesetzt wurde, trug er noch mit strahlender Würde. Wie gesagt: der Brite hatte die Regel Nr.1 der Show am besten begriffen. Soll man gratulieren? Aber ja!

1 Kommentar 27.1.08 00:43, kommentieren

Ibiza 07 - weniger Regenbogenfarben auf der weissen Insel?

Ibiza, die weisse Insel kämpft. Es geht um ihre Gäste, besonders um die schwulen Gäste. Die zeigen immer weniger Interesse an der Isla Blanca, die einen Weg sucht zwischen Massentourismus, offenem Nepp und mediterraner Romantik. Sind die Zeiten der Großraumdiskos, der Schaum- und Sexparties endgültig vorbei ?

Abend für Abend wiederholt sich am weltberühmten Café del Mar ein Ritual. Tausende Menschen drängen sich auf weissen Klappstühlen, langen Holzbohlen oder direkt auf den flachen Felssteinen vor dem Meer und sehen Richtung Westen. Dorthin, wo die Sonne untergeht. Aus den Boxen des Cafés dröhnt Chillout-Musik, eine Mischung aus Massage-Yoga-Klängen und Disko-House, die selbstverständlich im Laden um die Ecke auch als CD käuflich zu erwerben ist. Lauter als die Musik sind nur die Menschen selbst. Wer Ruhe zum romantischen Blick sucht, wird eher enttäuscht. Ibizas Romantik kommt hier geschäftsmäßig daher. Händler von Diskotickets ziehen zwischen den Jugendgruppen, ihren Bierflaschen und manchem selbst gedrehten Joint die Runde und preisen Edelclubs wie das “Pacha” oder Riesentanzhallen wie das “Amnesia” an. Tickets wechseln den Besitzer für noch immer 25, 30 oder 40 Euro - wohl gemerkt nur für den Eintritt in die Diskotempel. Taucht die Sonne dann ins Meer gibt es Jubel und Applaus. Für ein paar Minuten ist unser Stern der Star, der Abend für Abend die gleiche, verläßlich gute Perfomance hinlegt. Minuten später schon zerstreut sich die Menge in die unzähligen lauten Bars von San Antonio. Für den oberflächlichen Touristen ist die Ferienwelt der Balearen-Insel hier noch vollkommen intakt.

Ab Juni/Juli ist Hauptsaison auf Ibiza. Im Minutentakt schweben die Ferienflieger ein und bringen meist junge Leute aus ganz Europa auf die Insel, die hier Sonne, Meer, Partyspaß und Sex suchen. Noch immer wird Ibiza jede dieser Hoffnungen bestens erfüllen, doch das vermeintlich unbeschwerte Lotterleben beschwert die Insel zusehends. Gäste, die wie ich seit Jahren immer wieder kommen, sehen die Signale eines deutlichen Rückgangs beim Besucherandrang. Im Vergleich zumindest zu jenen Julitagen auf dem Eiland vor fünf, drei oder einem Jahr. Auffällig dabei: Ibiza scheint für schwule Touristen immer weniger interessant zu sein. Galt die Innenstadt von Eivissa-Stadt, die wunderschöne Dalt Vila mit ihren engen Gassen und geschäftigen kleinen Bars und Kneipen als ideales und völlig überfülltes Terrain für schwule Unterhaltung, so zeigen sich heute Lücken. Weniger Andrang, weniger schwule Bars auf der Calle de la Virgen, der regenbogenfarbenen Jungfrauenallee, wie ich sie gern nenne. Selbst im “Angelos”, DEM Treffpunkt für Männer vor dem Start in die Nacht blieben einige Sitzplätze auf der charakteristischen Mauer frei. Blicke wechselten hier dennoch ebenso wie Telefonnummern und Verabredungen - wen interessiert schon, was gestern war? Ibiza lebt im Heute und hat dabei ganz eigene Sorgen.

So ließ die Polizei der Insel kurz vor der Hochsaison drei Diskotheken schließen (u.a. DC10 und Bora Bora), weil hier angeblich Beweise für die Förderung des Drogenhandels vorlagen. Eine einstweilige Gerichtsentscheidung führte zwar zur Wiederaufnahme der lukrativen Geschäfte, doch sollten die Schließungen vor allem ein Zeichen an die Betreiber aller fast schon übermächtig erscheinenden Glitzerbunker sein, sich nicht alles erlauben zu können. Der neueste Einfall übrigens, um Menschen in die Tanztempel zu bekommen: quirlige und zugegeben oft gnadenlos schön gestylte Promotionteams verteilen Armbänder aus Papier, die freien Eintritt z.B. ins “Heaven” (einen Londoner Club mit ganz neuer Dependance auf Ibiza) oder ins legendäre “Space” zur mindestens so legendären “La-Troya-Party” versprechen. Wer will nicht 30 oder sogar 40 Euro sparen? In den Clubs sorgt dafür dann weniger die Musik aus den perfekten Soundanlagen und mit den noch immer bekanntesten und besten DJ´s der Welt für Ohrensausen, sondern die Getränkepreisliste. Ein Auszug:

“Space” - Home of La Troya- Party- Stilles Mineralwasser 0,33 l-Plastikflasche: 7 EUR

“Space” - Wodka-Redbull-Mischung - 18 Euro

“Heaven” - Flasche Heineken-Bier 0,33 l - 8 Euro.

Möglich, dass diese Preispolitik nicht nur schwule Besucher eher abschreckt. Selbst die kleine und sehr beliebte Gay-Diskothek “Anfora” in Eivissas Altstadt, die bislang für durchaus faire Preise und ihren Dunkelraum bekannt war, läßt sich nun 15 Euro Eintritt nach 2 Uhr geben - mit einem inkludierten Getränk immerhin. Soll der Rückgang beim Publikum also von jenen bezahlt werden, die noch auf die Insel fahren? Auch am Regenbogen-Strand im Süden Ibizas, dem schneeweissen Platja de Cavallet (einem der schönsten Strände Europas, nebenbei gesagt) kommt man in diesem Jahr mit neuen, für den Gast teureren Ideen. So werden zur Strandliege erstmals auch weisse Auflagen mit dem Aufdruck der Strandbar “Chiringay” angeboten, die freilich nicht abgelehnt werden können. Mit Sonnenschirm kostet das ganze Ensemble um die 15 Euro - pro Tag.

Nicht zu vergessen: eine neue Inselregierung wurde gewählt. Deren Chef ist Sozialist und spricht über den Tourismus auf Ibiza als “Patienten”. Sein Ziel: weniger unbeherrschte Krach-Touristen auf die Insel locken und mehr Publikum gewinnen, das auch an den “kulturellen Seiten der Isla Blanca Interesse” zeige. Damit meint der Inselchef sicher nicht die Hippie-Märkte in Punta Arabi oder Las Dalias, nicht die neue und gräßlich staubige vierspurige Autobahn vom Flughafen der Insel nach Eivissa und wohl auch nicht das Café del Mar. Er meint wohl eher das Ibiza, das auch ich noch immer liebe und dem ich treu bleibe. Das romantische Inselleben an den vielen kleinen Buchten im Norden, das Eintauchen in die Welt der Fincas von Ökobauern und Alt-Hippies im bergigen Hinterland der Küste und die Schönheit der Prozessionen zu Ehren der Mutter Maria bei Portinatx und in Eivissa selbst. Auch das nämlich kann Ibiza sein.

Kategorie Leben, Party, Allgemein | 0 Kommentare »

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